Entspannung ist was für Anfänger!

Ein paar Zahlen vorab zu unserem Urlaub im Freistaat:

  • 5 Hunde und 3 Frauen im Schnitt – mit Ausnahme eines Wochenendes, da waren es 10 Hunde, 3 Frauen und 1 Mann
  • 3 Tierarztbesuche: davon einer mit Hund, zwei ohne Hund
  • 1 Hund, der jetzt medikamentös eingestellt wird
  • 3 Raufereien zwischen Lotte und dem Rest
  • 1 Gegenbiss an Cobakas Bein durch Lotte
  • 1 Biss Richtung meiner Hand mit Kontakt (denke mal, das war Lotte, war nach dem ganzen Prolleifer aber nicht zu beweisen)
  • 1 Katscher an Lottes Bein durch Cobaka
  • 1 Ratscher an Bommels Bauch – Herkunft nicht geklärt
  • 2 Interventionstänze von Chrissy und mir mit kunstvoll eingearbeitetem Wegschubsen beiderseits beim Versuch, die Hunde zu trennen
  • 1 spektakulärer – wirklich bühnenreifer! – Auftritt seitens Mela, die die Hunde nachhaltig trennte
  • 1 verbranntes Knie mit fetter Brandblase beim körperlichen Volleinsatz am Grill bei Chrissy
  • 2 schlaflose Nächte wovon eine Nacht der Hitze geschuldet war, die andere Nacht war Marie in einer Psychoschleife gefangen

Dabei sind wir jetzt gerade erst den 10. Tag hier und wir fahren morgen Vormittag wieder heim. Bleiben wir gespannt, ob ein Nachtrag erfolgen muss?

Entspannung ist was für Anfänger!

Wenngleich ich mir – und vor allem meinem Nevenkostüm – punktuell schon ein kleines bisschen weniger Action gewünscht hätte, kann ich es kaum glauben, dass die 10 Tage nun schon wieder um sein sollen? Da arbeitet man wochenlang auf den Urlaub hin und nach einem Fingerschnippen soll alles schon wieder vorbei sein?
Doch bei all meiner Wehmut, eines werde ich nicht vermissen: diese absolut quarkigen, merkwürdig schrillen Frauenstimmen hier in der Nachbarschaft. Was ist nur los in Bayern? Irgendwie hat hier Darwins „survival of the fittest“ nicht gegriffen, denn sonst hätten diese Frauen doch als erste durch mögliche Fressfeinde erkannt und erlegt werden müssen? Wobei…., andererseits hat sich der Freistaat ja schon irgendwie ein bisschen wie eine Insel für sich entwickelt?

Aber ich mag es hier im Freistaat. Es hat alles ein ganz eigenes Tempo und während alle lieb „Servus“ rufen, falle ich mit meinem „Moin“ oder „Tschö!“ so auf, dass sich Passanten in der Tankstelle neugierig umdrehen. Landsberg am Lech ist übrigens eine unglaublich schöne Stadt, die es unbedingt zu besuchen gilt.

Dieser Urlaub war nicht nur punktuell etwas sehr aktionsbeladen, sondern hat alte wie neue Erkenntnisse und Eindrücke geschaffen. Während Mela, Chrissy und ich wieder bewiesen, dass wir eine perfekte WG haben können, in der jede völlig haltlos seinen Zwängen freien Lauf lassen kann, weil alles wunderbar harmoniert und ineinander übergeht, weiss ich auch, dass ich nie mehr als zwei bis drei Hunde zur gleichen Zeit halten wollen würde. Wobei drei nur dann in Frage kämen, wenn der dritte in der Form und Kompaktheit wie Lotte wäre. Andererseits: hätte ich noch eine zweite Lotte, dann wären wir nicht mehr gesellschaftsfähig und müssten im Freistaat einen einsamen Hof bewohnen. So einsiedlermässig. Ohne Besuchshunde. Oder ohne selbst auf Besuch zu gehen. Quasi wirklich alleine. Mit Computer und Kaffeemaschine als Ansprechpartner und Kontakt zur Außenwelt.

Lotte hat sich hier nämlich größtenteils aufgeführt wie eine tollwütige Wildsau. Normen (der männliche Part am ersten Wochenende) erwähnte mehrmals, dass er sie doch mal gerne auf links gedreht hätte. Da stand ich noch locker über dem ganzen Gehabe von ihr. Zumal ich weiss, dass sie zuhause nicht so hellfreudig ist und nicht alles kommentieren muss. Das ist durchaus ein Zwang, der nicht so gut in eine WG passt… Etwas doof wurde es allerdings, als sie meinte, mit Cobi etwas austragen zu wollen. Ausgerechnet die beiden, die noch beim letzten Besuch Schulterschluss bewiesen hatten und ganz vernarrt ineinander waren. Jetzt haben sie ein etwas angespanntes Verhältnis miteinander – Mädels eben.

Chrissy und ich gaben auch alles, bei unserem Interventionstanz für Fortgeschrittene. Mit vollstem Körpereinsatz versuchten wir die beiden hysterischen Mädels zu trennen, wobei sich Lotte als „die kriegste nicht zu packen!“ erwies und demnächst eine Marke ins Ohr bekommt, Gütesiegel: „Unhaltbar“. Während wir also im Anschluss schweißgebadet dastanden und schon lachen mussten über unsere Formation an sich und dem Geschubse unter uns im Besonderen, foppte Melas Auftritt alles! Ich verneige mich vor ihr und voll empfundener Zuneigung muss ich aufpassen nicht sofort wieder loszulachen, bis die Tränen kommen. Mela hat es geschafft: sie hat mich zum Weinen gebracht! Während Chrissy und ich noch dastanden und uns gerade neu formatieren wollten, als die Mädels wieder übereinander herfielen, kam Mela wie aus dem Nichts von hinten – zwischen uns durch – geschossen, zog sich noch kurz den Gartenschlappen aus und hat sich mit Gebrüll auf die Mädels geschmissen. Naja, genau genommen sind alle drei brüllend hinter den Unterstand verschwunden. Chrissy, die restlichen Hunde und ich blieben stumm alleine zurück und wir fanden uns in einer Situation wieder, die wir einfach nicht ans Hirn weiterleiten konnten. Kurze Zeit später wurden die beiden Kampfmädels hinter dem Unterstand auch stumm, Mela kommt mit den Worten: „Jetzt hab ich aber die Schnauze voll und was die sich überhaupt rausnimmt für ihr Alter ist unglaublich!“ (damit meinte sie Lotte) noch etwas erregt um die Ecke zurück, zog sich ihren Schlappen wieder an und als die beiden Kampfsau-Hunde Mela räudig folgend auch ins Bild kamen, war es vollends um uns geschehen: ich habe so lachen müssen, dass mir die Tränen kamen. Diesen Auftritt von Mela als Grizzlybär werde ich nie vergessen. Ganz großes Kino und coole Nummer! Danke dafür!

Hach, ich werde jetzt schon ganz wehmütig – obwohl ich noch vor Ort bin…!

Ein absolutes Überraschungspaket stellte allerdings Marie dar. Sie war das erste Mal mit im Freistaat auf Urlaub. Im Vorfeld hatte ich mir die wildesten Gedanken gemacht, ob das mit ihr und den anderen Hunden klappen würde oder ob sie nicht vielmehr das eine oder andere „Hackbratenspiel“ veranstalten würde. Tja…, was soll ich schreiben? Es gab und gibt null Theater zwischen ihr und den anderen! Lediglich Finn schnauzt sie manchmal an. Da weiss sie nicht so genau, wie sie ihn nun finden soll. Ansonsten wechseln sie sich wunderbar ab und Marie stellt ihre Herder-Qualität unter Beweis. Finn hatte schließlich seinen gewerkschaftlich festgelegten Urlaub eingereicht und ihr den Job überlassen, auf Haus, Hof und Inventar aufzupassen. Es war wirklich erstaunlich, ganz so, als hätten sie sich untereinander abgesprochen: während einer der beiden aufpasst, zieht sich der andere zurück. Mit Cobi hat sie gerade mal so gar keine Probleme (und ich hätte gewettet, dass es zwischen denen zum Streit kommt), mit Bommel auch nicht.

Da Maries gesamte Story allerdings etwas umfangreicher ist, werde ich diesen Part II auf morgen oder übermorgen verschieben… 😉

 

Wunschvorstellung und Realität

Als ich eben in die Küche ging, den Knopf an unserem Kaffeevollautomaten drückte und mir dachte: „Heute mache ich es mir gemütlich und werde nichts anderes tun, als mich in den Garten zu setzen und zu lesen.“, musste ich schon bald lachen. Soweit sind Realität und Wunschvorstellung voneinander entfernt: während ich mich auf den frisch gezapften Kaffee freue und die Vorzüge zu schätzen weiss, wünsche ich mir gleichzeitig, ich würde endlich wandern gehen. So richtig lange, sowas wie pilgern ohne religiös zu sein: Fernwandern. Das hat ein wenig was von Heim- und Fernweh gleichzeitig. Gibt es sowas?

Jetzt gerade sitze ich unter dem Sonnenschirm und werde schon beim Gedanken daran, mit schwerem Rucksack loszulaufen und Kilometer zu machen, ganz müde… Fange ich doch schon an zu stöhnen, wenn die Hunde mich an der Leine hinter sich herzerren. Oder wie ich mich auf einen leckeren Latte Macchiato freue, wenn ich gerade mal fünf Kilometer gebummelt bin. Und doch packt mich der Gedanke immer wieder…

 

Wer kennt dieses Buch nicht oder aber den Film?! Eine Frau alleine auf dem PCT, dem Pacific Crest Trail. Und sie zieht es durch!

So wie ich es durchziehe, diese Bücher zu lesen und mich der Sehnsucht hinzugeben… So langsam reihen sie sich aneinander:

  • „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling (natürlich!)
  • „Deutschland umsonst – Zu Fuß und ohne Geld durch ein Wohlstandsland“ von Michael Holzach
  • „Santiago liegt gleich um die Ecke – Pilgern in Deutschland“ von Stefan Albus
  • „Pilgern für Skeptiker“ von Jean-Christophe Rufin
  • „Der große Trip“ von Cheryl Strayed

Und jetzt aktuell:

  • „Laufen. Essen. Schlafen. – Eine Frau, drei Trails und 12.700 Kilometer Wildnis“ von Christine Thürmer

Zwei Zauberworte sind für mich Alleine und Wildnis.

Gerade über das zweite Wort habe ich die letzten beiden Tage viel nachgedacht. Bei der Gartenarbeit… Wer immer behauptet, Gartenarbeit würde Spaß machen und es sei so entspannend, in der Erde zu graben: was genau sind denn das für Gedanken in Euren Köpfen? Während ich mir das zum Mantra machen wollte, wie entspannend Gartenarbeit doch sei, schossen mir immer wieder andere Gedankenfetzen dazwischen:

„Was bitte ist so toll daran, wenn ich ständig an Büschen rumschneide und der vermeintlichen Natur vorgebe, wie sie bitte zu wachsen habe? Wer bin ich denn, dass ich das bestimme? Boah, ich habe keine Lust mehr! Diese Drecksgartenschere muss mal geölt werden… Meine Güte, so langsam tut mir mein Rücken weh. Da bekommt man doch ne Sehnenscheidenentzündung! Was ist eigentlich so schön an einem Blumenbeet? Diese Kackrosen! Dieser hässliche Rhododendron ist mir schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Endlich fertig mit dem Scheiss, morgen mache ich aber nichts mehr…!“

Liebe Gartenfreunde: diese Arbeit hat so gar nichts mit Natur oder gar Wildnis zu tun. GAR NICHTS! Und mit Verbundenheit zu eben jener auch nicht. Da lasse ich doch lieber Beet Beet sein und die Kirschlorbeerhecke ist mir auch schnurzegal (jetzt habe ich sie ja auch geschnitten und wieder nen halbes Jahr Ruhe…): da gehe ich lieber fünf Stunden durch den Wald und stelle mir die bange Frage, wo sich denn aktuell wohl gerade die Wildschweine aufhalten dürften?

Alleine – müsste bei mir eher heissen „ohne menschliche Begleitung“, denn meinen Hund Lotte hätte ich schon gerne bei der Wanderung dabei. Meinen kleinen Breitmaulfrosch…, der bis vor Kurzem noch nicht einmal richtig lahmfrei laufen konnte. Den mindestens zwei Tierärzte schon kaputt-operieren wollten, unter der Überschrift „Es könnte sein, dass… Wir machen die mal auf.“ Oh, wie gut, dass ich auf niemanden gehört habe und lieber wacker zur Osteopathin fuhr, die sie wieder zurecht schob und ruckelte. Ja, ich werde nicht müde, dieses immer und immer wieder zu betonen.
Dieser Hund, der mich dazu brachte, tatsächlich ein Massageseminar zu besuchen. Wer hätte gedacht, dass ich das mal sagen würde, dass ich wegen meinem Hund zu einem Seminar gehe? Sonst war meine Motivation dabei eher instrinsisch.

Aber das Seminar war klasse! Es hat wirklich Spaß gemacht und alles war perfekt vorbereitet und organisiert. Hätte ich nicht schon andere Pläne, könnte ich mir gut vorstellen, dort tiefer einzusteigen. In die ganze Thematik. Dabei hatte ich mir im Vorfeld schon einige (berechtigte) Gedanken gemacht, dass Lotte und ich ein wenig das Seminar crashen könnten. Sie ist ja nun nicht gerade für eine dezente Zurückhaltung bekannt…  Eher im Gegenteil. Lotte aber zeigte sich von ihrer charmantesten Seite und während des ganzen Theorievormittages lag sie (als wäre sie schon ein Seminarprofi und nicht zum ersten Mal dabei) neben mir und schien sehr entspannt zu sein. Ab dem Mittag schwand dann ihre Nervenstärke etwas, gekoppelt mit dem, dass sie sich nun sicherer fühlte, kommentierte sie – zusammen mit einem Hundekumpel – so einiges, was sich außerhalb des Seminarraums abspielte. Dabei war sie so dermaßen müde, dass sie immer zur Seite kippte, während sie noch versuchte gegen den Schlaf anzukämpfen. Damit hatte Lotte durchaus Unterhaltungswert und amüsierte andere Teilnehmer. Als es dann endlich an die Praxis und damit an die Massage ging, war Lotte an dem Punkt, dass sie ganz klar meinte: „Nö!“. Das galt es dann für mich zu akzeptieren (ich erwähne jetzt auch nicht, dass sie der einzige von 10 – 15 Hunden war, der sich nichts massieren ließ – so ist sie eben), alles andere machte eh keinen Sinn. So stolz ich war, dass wir bis hierhin gekommen waren, saß ich dann doch ein wenig zerknirscht im Eck, mit Lotte kerzengerade an der Leine, während andere Hunde wohlig brummend auf der Seite lagen. Eine Frau erkannte meine etwas missliche Lage und stellte mir kurzerhand ihren Hund zur Verfügung. Das war großartig! So konnte ich doch noch „Hand anlegen“ und das auch noch bei einem Hund, bei dem wirklich alles zu fühlen und zu sehen war. So konnte ich nicht nur eine völlig platte Lotte wieder mit nach Hause nehmen, sondern auch die Sicherheit, dass meine Grifftechnik nun stimmig ist. Rundherum war es ein gelungener Tag. Lotte und ich werden übrigens im November wieder hinfahren. Dann besuchen wir das Seminar zur „Dorntherapie“. Das hatte ich schon im Vorfeld gebucht, aber nachdem ich letzte Woche versehentlich Lottes Schulter wieder in die richtige Position brachte und sie seit dem nicht mehr so rumeiert beim Laufen, passt es noch mehr. Falls es jemanden interessiert, Katrin Voßwinkel ist wirklich eine sehr nette Frau: Hundephysiotherapie.

Alleine mit Hund, um mal wieder auf das Thema zurück zu kommen…: Machen wir uns nichts vor: so ein richtiger Trail wie der PCT über die Bergkämme wäre für uns nichts. So ein Kamikaze-Hund wie Lotte einer ist (sie rannte schonmal frontal gegen eine Steinmauer!) würde ja in einer Dauergefährdung laufen und immer drohen, abzuschmieren. Ich bin mir auch nicht so sicher, ob wir im Sommer bei Temperaturen von über 30 Grad laufen könnten, denn dann kippt sie mir womöglich dauernd um?! Hm…, noch sind wir ja auch nicht soweit. Jetzt bin ich ja schon glücklich, dass sie überhaupt so schön, ohne zu lahmen und so lange läuft! Und wenn es mehr so um Stille, Natur / Wildnis und Alleinsein geht, dann könnten wir ja auch erstmal ne einsame Hütte wählen… Und von dort aus los wandern – oder auch nicht.
So wie:

  • „In den Wäldern Sibiriens: Tagebuch aus der Einsamkeit“ von Sylvain Tesson

 

 

 

Lotte

Gerade hab ich nachgeschaut: im Dezember des letzten Jahres habe ich das erste Mal von ihr hier berichtet. Und geschrieben, dass es sich so langsam einspielen würde, so dass auch mal wieder fünf Minuten Zeit übrig blieben, um etwas zu schreiben… Aha. Ich gebe es zu: neben dem, dass ich nicht den richtigen Dreh fand, war das dann wohl doch ein wenig zu optimistisch gedacht? Wenn ich an diesen Hund denke, weiss ich gar nicht, wo ich anfangen soll… Dieser Hund ist ein Kracher, der uns eigentlich immer auf Trab hält. Egal mit was…, sie zieht alles durch, gnadenlos. Und während wir dachten, dass die schlimmste Phase des Zuschnappens und der Willensbekundungen vorbei ist, fängt sie jetzt wieder von Vorne an. Apropos von Vorne: wo ist das eigentlich?

Lotte

Als wir sie übernahmen, ging Lotte mit dem Vorderbein lahm, denn als sie noch ein Welpe war, trat ihr beim Vor-Vorbesitzer (!) ein 95 kg – Mann auf den Lauf. Das hatte sie gut auskuriert und davon ist nichts geblieben. Vor ca. 7 – 8 Wochen fing sie dann an, Hinten zu lahmen. Der 1. Besuch beim Tierarzt erbrachte den Rat, abzuwarten und den Hund ruhig zu halten. Es trat keine Besserung ein. Der 2. Tierarztbesuch ergab das Gleiche. Diesen Hund ruhig zu halten ist allerdings vergleichbar mit der Aufgabe, einen Ameisenstaat daran zu hindern, seine Arbeit zu verrichten. Das Lahmen wurde immer schlimmer, der Hund immer schiefer.

Wir suchten einen anderen Tierarzt auf. Dieser stellte fest, dass das Knie derweilen leicht entzündet ist. Er wollte den Hund direkt in eine Klinik überweisen und in ein MRT stecken. Bis dato hatte ich allerdings noch nicht einmal Röntgenbilder, obwohl ich stets darum bat, da ich ausschließen wollte, dass sie irgendwelche Knochenabsplitterungen o.ä. hat. Wir wurden mit Schmerzmittel für Lotte versorgt und sollten Kontakt zur Klinik aufnehmen. Meinem Wunsch, doch bitte erstmal den Hund zu röntgen, konnte auch hier nicht nachgekommen werden. Das wäre ja viel zu spontan und röntgen ginge nur mit vorheriger Planung und nach Termin. Man muss dazu sagen, dass ich keine wertvollen HD-Aufnahmen für eine Zuchtzulassung haben wollte, dementsprechend auch nicht den Hund unter Narkose röntgen lassen wollte, zumal Lotte gut „lang zu ziehen“ ist und auch lange genug für eine Aufnahme still hält. Doch statt dieses durchzuziehen, sollten wir den Hund jetzt in eine Klinik bringen, unter Narkose setzen und mit Kontrastmittel ins MRT stecken? Hm…, hier konnten wir auch nichts mehr erreichen und wurden rauskomplimentiert. Das war´s.

Derweilen waren einige Wochen und Tierarztbesuche vergangen, ohne dass wir weitergekommen waren. Lotte hoppelte schon mehr, als dass sie lief, die Muskeln hatten sich einseitig abgebaut und sie zog das Bein mehr hoch, als dass sie es einsetzte. Die Faxen endgültig dicke, bestand ich beim nächsten Besuch unseres eigentlichen Tierarztes auf Röntgenbilder. Nachdem wir massiv wurden, bestätigte dieser nach seinem ständigen „Abwarten und Hund-ruhig-halten“, dass ich recht hätte und ein so junger Hund SO auf keinen Fall laufen dürfe und jetzt ganz schnell gehandelt werden müsse. Aha? Die Röntgenaufnahmen zeigten zwar eine nicht ganz so schöne Hüfte, war aber ansonsten ohne Befund – was gut war.

Ich suchte eine Osteophatin, was hier im Eck schon schwer genug ist. Als wir Lotte dort vorstellten, fand sie sofort drei Triggerpunkte: Knie, Meniskus und Kreuzband. Sie empfahl uns einen Spezialisten, von dem sie das gerne noch einmal abgeklärt haben wollte und so machte sie einen Termin für uns. Lotte und ich unternahmen eine wahre Serpentinen – Abenteuerreise, um schließlich in einer Freakshow zu landen!

Als Spezialist hatte er es wohl noch nicht einmal nötig, eine Gangbildanalyse zu machen. Stattdessen begrüßte er uns mit den Worten: „Ach, da kommt ja ein langwieriger Kniepatient, hinten links, richtig?!“ Nachdem er genau das tat, was auch andere Tierärzte vor ihm taten, nämlich die Gelenke abtasten und durchbewegen, reagierte Lotte beim sogenannten „Schubladentest“ sehr schmerzhaft. Er teilte mit, dass der Meniskus ok sei, das Kreuzband auch nicht gerissen, aber evtl. beschädigt. Er würde den Hund operieren wollen, um rein zu schauen und zu gucken, was da nicht stimmte und darüber hinaus müsse ich mich auf eine Folgeoperation bei ihr einstellen. Eine eigentliche Kreuzband-OP könne man nämlich bei ihr noch nicht durchführen, da sie noch zu jung und die Wachstumsfugen zu breit seien. Dass eine Kreuzband-OP anstehen würde, obwohl dieses gar nicht gerissen ist, fand ich durchaus merkwürdig. Auf meine Frage, ob er jetzt auf bloßen Verdacht hin den Hund operieren wolle, wo er doch gar nicht weiss, was eigentlich wirklich ist, meinte er, dass das notwendig sei, er würde dann die Erstversorgung vornehmen und gleich mal schauen, ob eine OCD ( = Osteochondrosis dissecans, eine Knochen- / Gelenkserkrankung beim Hund, vorwiegend bei mittelgroßen bis großen Hunden) vorliege (wovon er aber selbst nicht ausging). Das Ganze ging noch eine Weile hin und her und ich stand wie paralysiert und irgendwann einfach nur noch erschöpft vor dem Behandlungstisch, nachdem er mir noch mitteilte, dass für ihn bei diesem Hund nur eine TPLO-OP in Frage käme. Nachdem ich merkte, dass es dort kein links und rechts gab für ihn und ich meine Zweifel anbrachte, da Lotte seit zwei Tagen wieder anfing, aufzufußen und das Bein zu belasten und ich darüber hinaus nicht wüsste, wie ich diesen Hund 3 Monate ohne Folgeschaden in eine Box sperren sollte (sein Kommentar: Hund in die Box, Handtuch rüber, ins Nachbarzimmer stellen und sich nicht dran stören) und dann noch zwei Monate zur Physio bringe, um dann von Vorne anzufangen, dieses aber nicht wirklich ankam, verließ ich die Praxis. Ich fuhr nach Hause, schnappte mir auch Marie und wir gingen erstmal in den Park. Während dieses Spaziergangs entschied ich mich gegen diese beiden OPs – zumal Lotte das Bein wieder benutzte.

Ich telefonierte später noch mit der Osteopathin. Ich wollte ihr mitteilen, dass ich gegen diese OPs sei, sehrwohl aber eigentlich weiter mit ihr zusammenarbeiten wollen würde. Sie hatte durchaus Verständnis für meine Bedenken, drängte aber schon drauf, den Rat des Tierarztes zu befolgen und den Hund operieren zu lassen. Auch hier kam ich nicht wirklich weiter, irgendwann war ich einfach nur noch „durch“. Darüber hinaus nahm das irgendwie eine Eigendynamik an, die mir ganz und gar nicht gefiel. Es war zwar nett, dass sie für uns den Termin abgesprochen hatte, dass aber die Praxishelferin eigenständig bei ihr anrief, um ihr von unserem Besuch samt Ergebnis aus Sicht des Arztes zu erzählen und sie wiederum mit der Praxis den OP- und Behandlungsplan besprechen wollte, gab mir durchaus das Gefühl, dass mir meine Entscheidungen abgenommen werden sollten und andere über meinen Hund entscheiden würden?! Ich entschied mich gegen diesen Weg! Lotte läuft zwar noch immer nicht schön, aber sie fängt an, das Bein wieder einzusetzen und in den normalen Bewegungsablauf hinein zu kommen.

Je länger ich über all das nachdachte, desto schräger erschien mir diese ganze Aktion des Tierarztes. Ich werde mich hier jetzt nicht in Gedankengängen und Spekulationen verlieren, nur soviel: für mich war es die richtige Entscheidung, diesen Wahnsinn nicht weiter zu verfolgen!

Und während Lotte weiter regeneriert, setze ich mich gerade mit einer äußerst interessanten Behandlung auseinander: der V-PET Thrombozytentherapie.

Lotte

Als würde das nicht alles schon reichen, so zog sich Lotte auch noch eine Vergiftung zu. Wir waren am Abend auf Runde, Lotte hatte sich an einem menschlichen Kothaufen genüsslich getan (urgs!). Ca. 1 Std. später fing sie an zu schwanken, als wäre sie betrunken. Ich nahm sie mit in den Flur, woraufhin sie jede Berührung meinerseits mit einem Angriff ihrerseits abwehrte. Und diese meinte sie durchaus ernst, mit knurren, Nackenhaare aufstellen und in den Unterarm beissen. Ich schickte sie in den Garten, hatte gemeint, sie solle sich dort abreagieren. Lotte rannte 3 x im Kreis um mich herum wie auf Speed und wieder rein – spätestens da wusste ich, dass es ernst war, denn dieser Hund geht nicht freiwillig wieder rein um sich hinzulegen. Der ganze Hund schwankte, die Augen flimmerten, sie war nicht wirklich ansprechbar und zeigte offensichtliche Vergiftungserscheinungen. Meine Panik stieg, denn ich hatte kein Auto vor der Tür, wusste nicht, wo ich mit dem Hund hinsollte und Taxis nehmen hier keine Hunde mit – schon gar nicht solch aggressive und wir steuerten schon auf Mitternacht zu. Vor meinen Augen sah ich schon neurologische Ausfälle, epileptische Anfälle und Kreislaufversagen. Aber Lotte legte sich hin. Jedes Mal, wenn sie den Kopf hob, schien sie Karussell zu fahren. Irgendwann legte sich sich flach auf die Seite auf den Teppich und fing an zu schnarchen wie ein Berber! Sie atmete tief und ruhig, ich konnte Herzschlag und Schleimhäute kontrollieren, alles im grünen Bereich. Ca. 3 Stunden später wechselte sie das Zimmer, noch immer schwankend, aber sie legte sich sofort wieder hin. Morgens um 6 Uhr war der Spuk dann vorbei. Lotte war wieder im Vollbesitz ihrer geistigen und körperlichen Kräfte und begrüße mich gut gelaunt, als sei nichts gewesen – Glück gehabt und ein Hoch auf diesen kleinen zähen Hund!

Da ich ausschließen konnte, dass sie an diesem Tag nichts unbekanntes – mit Ausnahme des menschlichen Kots – gefressen oder gesoffen hat, gehe ich davon aus, dass in diesem Kot Toxine enthalten waren, eine ausreichende Menge Drogen, um meinen Hund in diesen Zustand zu versetzen. Was für eine Horrorshow!

Hallelulja!