Cuxhaven – ohne Handy

Der Urlaub stand an. Es war an der Zeit, das Handy mal komplett auszuschalten und es tatsächlich auch ausgeschaltet zu lassen. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal nicht erreichbar war, mein Smartphone nicht auch im Urlaub benutzt hatte um „mal eben schnell“ eMails abzurufen, die eine oder andere Nachricht zu schreiben oder auch komplette Blogbeiträge mit eben diesem zu verfassen. Dieses Mal sollte es anders werden!

Und dann stand ich da im Wald…, ohne Handy. Ich genoss den Wald mit allen Sinnen und starrte wie paralysiert auf die Wassertropfen an den Birkenästen. Wie schön sie waren! Das wäre spätestens der Moment gewesen, in dem ich mein Handy aus der Tasche geholt, diesen Anblick fotografiert hätte, um das Bild dann zu zeigen oder mich an diesen Augenblick zu erinnern. Ich musste grinsen, weil ich dachte: „Ok, Bild ist nicht. Aber wie soll man diese Schönheit beschreiben ohne allzu pathetisch zu werden?!“. Seit Jahren bin ich das erste Mal an meinem Lieblingshügel im Wald vorbei gekommen, ohne ihn fotografiert zu haben… An einer Weggabelung hielt ich inne und verlor mich bald in der Stille, die mich in diesem Moment umgab. Wie herrlich sie war. Diese Stille… Apropos: da fehlte doch was? Bzw. eher jemand? Stimmt: ich war doch mit Hund gestartet, aber wo war Lotte jetzt?! Nachdem ich mich ein paar Mal im Kreis gedreht hatte, ohne irgendetwas an Geräusch zu vernehmen, entdeckte ich sie hinter einem Busch, aus dem heraus sie mich beobachtete und anstarrte. Jeder hat halt so seine eigene Philosophie zum Thema „Stille“. Und so standen wir noch eine Weile: Lotte hinter dem Busch, ich am Trampelpfad und wir lauschten…, dem jetzt einsetzenden Eisregen. So schön das auch war, aber es war dann doch spätestens jetzt soweit, den Weg fortzusetzen!

Es ist längst kein Geheimnis mehr, wieviel Zeit man mit seinem Handy „vertun“ kann. Nicht nur, dass ich mich selbst vor etwaigen Anrufen, Mails und Nachrichten schützen wollte, die die Arbeit betreffen, so hatte ich auch einen unglaublichen Zeitgewinn dadurch, dass ich privat auch nichts mehr zur Verfügung hatte. Zeit, sich noch mal neu zu orientieren, sich auseinander zu setzen und zu schauen…*

 

Zeit für Lotte und mich

Was Lotte und ich in all den Monaten nicht schafften, haben wir in 10 Tagen wieder aufgeholt. Ok, das war jetzt ein kleines bisschen übertrieben, aber während Ditze mit Marie joggen ging (und das taten sie an acht von zehn Tagen), haben Lotte und ich die gemeinsame Zeit genutzt. Unter anderem hatten wir unseren ersten richtigen Rehkontakt. Bis dato wusste ich nicht, was Lotte tun würde, wenn sie diese wahrhaftig zu Gesicht bekommt und nicht nur riecht. Und während wir durch den Wald liefen, kreuzten zwei Rehe ca. 10 Meter vor uns den Weg. Lotte stutzte kurz und… rannte hinterher! Und während ich noch hoffte, dass jetzt bitte nicht der ausdauernde Beagle in ihr erwachen möge und sie vielleicht aufgrund ihrer Bodennähe eh im Unterholz stecken bleiben würde, verschwand sie aus meinem Sichtfeld. Keine 10 Sekunden später sah ich sie wieder. Sie schien etwas orientierungslos zu sein und selbst, wenn ihre Nase hervorragend funktioniert und sie diese eigentlich auch perfekt einsetzt, so verlor sie sich ein wenig in ihrem Aktionismus. Gut für mich, denn so konnte ich mich strategisch gut positionieren und im passenden Augenblick mein Signal mit der Pfeife absetzen. Lotte reagierte sofort und kam so schnell ihre Beine und Pocke es zuliessen zu mir gerannt. Sie schien nahezu erleichtert zu sein, wieder bei mir zu sein, denn sie hatte sich nicht nur in ihrem Aktionismus kurzfristig verloren, sondern auch ihren Kontakt zu mir. Es ist doch wunderbar, wenn sich alles im richtigen Moment so zusammenfügt! Fortan liess sie mich nicht mehr aus den Augen und orientierte sich an mir. Sie lernte, dass sie in meiner Nähe bliebt, andere Hunde und Menschen nicht ständig begrüßen muss, hund auch mal alleine im Auto warten kann, der Einsatz ihrer Zähne in Richtung meiner Hand am Kühlschrank nicht erwünscht ist etc.. Augenscheinlich keine großen Sachen, wer aber Lotte, ihren „Humor“, ihre Willensstärke und ihre Null-Frustrationstoleranz kennt, der kann sich in etwa vorstellen, dass wir große Schritte gemacht haben. Aber unabhängig davon, ob sie zu anderen hinrennt und sie abcheckt oder nicht, hat uns diese intensive gemeinsame Zeit in unserer Beziehung unheimlich gestärkt. Und um jetzt mal so richtig kitschig-pathetisch zu werden: Lotte hat mir meinen Glauben wiedergegeben!

Marie

Nach ihrem Einzug vor fünf Jahren wurde ich dermaßen knallhart geerdet, dass ich mit der Nase voran auf dem Boden aufklatschte. In all der Zeit bekam ich es mit ihr nicht hin, dass sie an lockerer Leine läuft, das Wort gemeinsam bei Spaziergängen ist ihr nach wie vor fremd und sie glaubt weiterhin, dass die ganze Welt nur aus jagdbaren Opfertieren besteht. Ableinen ist ein utopischer Wunsch, denn sie ist und bleibt draußen ein völlig durchgeknallter Köter. Wir wären nicht wir, würden wir nicht immer mal – trotz alledem – einen Versuch starten und uns somit quasi den immer währenden Ist-Stand bestätigen. Und so leinten wir sie am Strand ab. Während sie die ersten hundert Meter mit Vollgas in meine Richtung rannte, machte sie kurzerhand einen Bogen und… war dann mal wieder weg! Nein, es wundert mich nicht. Es hätte mich eher gewundert, wenn sie tatsächlich zu mir gekommen wäre. Und während Marie wieder mal aus dem Sichtfeld verschwand und potentielle Beute jagte (… egal, wenn keine sichtbar ist, sie würde schon was finden, ausdauernd genug ist sie. Sie würde eher tot umkippen, als aufzugeben.), ließ sich Lotte nicht lange bitten und setzte hinterher. Gut für uns, denn sie gab Spurlaut, hatte Marie tatsächlich im Dünengras zu packen bekommen und lautstark an ihr herum gezerrt. Lottes eigenartiger Humor, gekoppelt mit Frau Rottenmeiers „Hier wird sich nicht amüsiert!“ half uns, die beiden flux zu orten und wieder einzusammeln.

Marie hatte es also geschafft mich in dieser Zeit zu „knacken“ und meinen Glauben an mich zu verlieren. Da nutzten auch keine Gedanken etwas; daran, dass ich bereits mehrere Hunde „wildrein“ bekam, innige Beziehungen aufbauen konnte und mal so etwas wie eine „natürliche Präsenz“ bei Hunden hatte (ich winke mal zu meiner Sista rüber, die mir dieses eine Zeit lang immer wieder mitteilte – Danke :*). Mit Marie war all das ausgelöscht und ich ja offensichtlich unfähig. Doch so langsam verschiebt es sich erneut und Dank Lotte komme ich wieder auf meinen Pfad zurück (an dieser Stelle winke ich auch zu Chrissy rüber: so eine Szene an Eurer Spülmaschine mit all meiner komischen Hirngrütze wird es fortan nicht mehr gehen! :))) und ich werde wieder mehr ins Thema „eintauchen“ und mal schauen, was daraus werden kann…?!

 

Urbex

Während ich mein Handy zuhause liess, sah ich, dass ich zu einem der verlassenen Gebäude auf dem Krankenhausgelände Zugang hatte. Nach Jahren stand dort doch tatsächlich mal eine Tür offen? Ich konnte nicht anders und schaute hinein. Zum ersten Mal sah ich, was sich in diesem Gebäude befand (Ditze konnte sich das nicht mit ansehen und lieh mir sein Handy, so dass ich doch das eine oder andere Bild vom Gelände machen konnte). Ähm…., ja:

 

Über meinen alten Blog erhielt ich mal eine Zuschrift mit der Frage, ob ich wüsste, wo sich ein bestimmter Zugang (zum möglichen Bunker?) befinden würde. Daran musste ich denken, als ich hierauf traf:

 

Sah vielversprechender aus, als es tatsächlich war, denn das verbarg sich hinter der ursprünglich versiegelten Tür:

 

Lesen

Erstaunlich an diesem Urlaub war auch, wie wenig ich gelesen habe. Ich hatte mir zwar einige Bücher mitgenommen, aber nur 1,5 davon gelesen. Unter anderem dieses wundervolle Buch:

Eine Geschichte über das Alter, das selbstbestimmte Leben und Sterben, Freundschaft und Begegnungen. Ich werde es mir ausnahmsweise jetzt leicht machen und auf die Rezension von Mara (Buzzaldrins Bücher) verlinken:

Ein Leben mehr von J. Saucier

 

 

Seit gestern sind wir nun zurück… Alles in mir sträubt sich, wieder in den Alltag zurück zu kehren, den ich gerne anders hätte. Zeit, neue Pläne zu schmieden!

 

* Eine Woche hatte ich das Handy komplett ausgestellt im Schrank liegen. Eigentlich wollte ich es am Sonntag nur kurz einschalten, telefonieren und dann wieder ausstellen. Da der Ansturm aber widerratend nicht ganz so groß war, liess ich es eingeschaltet. Aber erzählt mir doch nichts: die Klienten und alle Beteiligten riechen es doch, wenn das Handy eingeschaltet ist. Es dauerte nicht lange und es ging wieder los. Anrufe und Nachrichten ignorierte ich aber weitestgehend.

 

 

Vom verlorenen Überblick und dem ersten Satz

*

Ehrlich gesagt, habe ich ein wenig den Überblick verloren…

Seit dem Crash meines Bloginhaltes nach dem Umzug, ging mir ein wenig die Motivation flöten, überhaupt noch etwas zu schreiben. Neben dem, dass immer wieder „das Leben an sich“ dazwischen kam, hatte ich meinen eigenen Anschluss verpasst.

Mit dem Online-Verlust meiner Texte, hatte ich für mich auch meine „Visitenkarte“ in der Zusammenarbeit mit den Verlagen verloren. Sicherlich hätte es einfach ein paar eMails mit einer kurzen Schilderung bedurft, um dabei zu bleiben. Aber im Nachhinein dachte ich nur, dass es vielleicht auch gut so war. Das viele Tanzen auf unterschiedlichen Baustellen hat nicht unbedingt dazu beigetragen, meinen Entspannungspegel zu erhöhen. Ich war auch schlicht übersättigt von all dem. Von all den Neuerscheinungen, der Schnelllebigkeit in der Bücherwelt, dem Hype und dem schnellen Fall der zuvor gehypten Bücher, die schon ein paar Tage später auf dem „Mängelexemplar – Wühltisch“ landen. Gekoppelt mit irgendwelchen „SuB“ (Stapel ungelesener Bücher), „RuB“ (Regal voll ungelesener Bücher) und „WuLi“ (Wunschlisten), den ständigen Fragen danach „ob man dieses oder jenes Buch gelesen haben muss“ und den tatsächlich niederschmetternden Wohlstandsfragen, wie man denn bitte sein Bücherregal einsortieren sollte. Hinzu kommen Gewinnspiele diverser Bücherblogs, eines jagt das andere und jeder wundert sich, warum die Teilnahme so gering ist, wo es doch neben einem Buch noch Teebeutel und Altpapier (getarnt als sog. „Goodies“) zu gewinnen gibt. Ich brauchte eindeutig eine Auszeit und Abstand von all dem.

Ich weiss nicht, wieviele Bücher ich in der Zwischenzeit gelesen habe… 10? 15? 20? Letzten Endes ist es auch egal, weil ich keine Listen führe und auch nicht von einem zum nächsten Buch hechle. In jüngster Zeit schlich sich aber doch das Gefühl des Vermissens ein… Das des Austausches oder wenn ich den einen oder anderen Autor, das eine oder andere Buch so herausragend fand, dass ich es gerne mitteilen würde. Oder wenn ich mich hab wider erwartend doch anstecken lassen. So wie jetzt mit „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara. Oh, was hab ich dem Erscheinungsdatum entgegen gefiebert, um dann enttäuscht festzustellen, dass es ein bis zwei Monate braucht, bis es geliefert werden kann. Nach der Enttäuschung darüber kam die Freude, dass ich es doch „schon“ in den Händen halten konnte, weil es der hiesige Buchhandel bei mir um die Ecke hatte. Der großartige Moment, als ich das Buch gestern von der Folie befreien und endlich anfangen konnte, es zu lesen. Oder wenn sich mein Mann mit zwei seiner Freunde trifft, die beide ebenfalls gerne lesen und selbst, wenn ich diese Männer bisher nicht kennengelernt habe, tauschen wir über meinen Mann Lesetipps aus. Wie praktisch ist es da, wenn man den Link zu seinem Blog rüberschicken kann….

Aber nicht nur das Schreiben über Bücher hat nicht mehr stattgefunden. Auch insgesamt habe ich nichts Privates mehr geschrieben. Wie oft nahm ich es mir vor, habe es aber dann doch nicht getan. Weil ich keine Lust hatte, mir die Energie fehlte und ich mir ernsthaft die Frage stellte, warum ich das eigentlich tun sollte? Über die Dinge und Geschehnisse, welche mich so beschäftigt haben, darf ich nicht schreiben. Sie unterliegen der Schweigepflicht und ich bin nunmal leider kein investigativer Journalist. Bei allem anderen tat ich mich schwer. Ich bekam noch nicht einmal einen anständigen Plot hin. Ich hatte mal mehrere Tage schon fast manisch geschrieben. Hatte am NaNoWriMo teilgenommen. Zwar waren nun nicht alle Protagonisten direkt auf Seite 3 gestorben oder ermordet worden, aber allzu schnell glitt mein Schreiben in Bereiche ab, in denen ich dachte, dass das nie gelesen werden darf. Zu privat, zu krank. Burnside wäre bestimmt stolz auf mich gewesen…

Heute war nun also seit Monaten der erste Tag gewesen, dass ich wirklich das Bedürfnis verspürte, hier etwas zu schreiben. Und irgendwann muss man ja mal anfangen. Mit dem ersten Satz…

Und für alle, die sich jetzt fragen, was denn aus meinen Hunden geworden ist: sie leben noch, rauben mir weiter meine Nerven, sorgen für das entsprechende „Bauch – Beine – Po“ – Programm während der Spaziergänge… Marie ist eben Marie und Lotte hat sich weiter zu einem absolut willensstarken Breitmaulfrosch entwickelt und dafür gesorgt, dass ich mich neben der Arbeit nun ein wenig mit Massage und Dorntherapie für Hunde auseinander setze. Die ersten Seminare sind gebucht und bestätigt und ich freue mich schon drauf. Hoffentlich werden Lotte und ich nicht das ganze Seminar sprengen und mit ordentlich viel neuem Input zurück kommen.

„Ich ziehe mal eben um….“

Mal eben kurz umziehen

So war der Plan. Wie soll ich´s schreiben: der Domainumzug hat geklappt. Aber das ist leider auch schon alles.

Meinen letzten Blog habe ich über viele Jahre geführt. Mal mehr, mal weniger regelmässig. Ich habe viele Geschichten erzählt und tolle Kontakte geknüpft.

Angefangen mit dem „Urlaubstagebuch für Daheimgebliebene“, über meine Hunde, die etwas anderen „schönen Ecken“ in einer Großstadt, über Videos und Privates, Skurriles und Alltägliches. Geschichtliches zum Krankenhausgelände samt Gebäude, bishin zu Buchrezensionen und Verlagskontakten war der Umzug das Ende dieses Blogs.

All das liegt mir zwar noch als eine Datei vor, diese lässt sich aber nicht importieren. Egal, was und wie ich es ausprobiert habe.

Nachdem die erste Wut verflogen war, hab ich mir die Frage gestellt, was jetzt überhaupt ansteht? Ist es vielleicht Zeit, alles nochmal zu überdenken, neu zu machen? Gleichzeitig vermisse ich einiges. Ich denke, ich werde nach und nach einige Beiträge hier manuell wieder einstellen. Aber das braucht viel Zeit und Musse und wird auch nicht vollständig erfolgen können.

Wir werden sehen?!

 

TiRoCux