Entspannung ist was für Anfänger!

Ein paar Zahlen vorab zu unserem Urlaub im Freistaat:

  • 5 Hunde und 3 Frauen im Schnitt – mit Ausnahme eines Wochenendes, da waren es 10 Hunde, 3 Frauen und 1 Mann
  • 3 Tierarztbesuche: davon einer mit Hund, zwei ohne Hund
  • 1 Hund, der jetzt medikamentös eingestellt wird
  • 3 Raufereien zwischen Lotte und dem Rest
  • 1 Gegenbiss an Cobakas Bein durch Lotte
  • 1 Biss Richtung meiner Hand mit Kontakt (denke mal, das war Lotte, war nach dem ganzen Prolleifer aber nicht zu beweisen)
  • 1 Katscher an Lottes Bein durch Cobaka
  • 1 Ratscher an Bommels Bauch – Herkunft nicht geklärt
  • 2 Interventionstänze von Chrissy und mir mit kunstvoll eingearbeitetem Wegschubsen beiderseits beim Versuch, die Hunde zu trennen
  • 1 spektakulärer – wirklich bühnenreifer! – Auftritt seitens Mela, die die Hunde nachhaltig trennte
  • 1 verbranntes Knie mit fetter Brandblase beim körperlichen Volleinsatz am Grill bei Chrissy
  • 2 schlaflose Nächte wovon eine Nacht der Hitze geschuldet war, die andere Nacht war Marie in einer Psychoschleife gefangen

Dabei sind wir jetzt gerade erst den 10. Tag hier und wir fahren morgen Vormittag wieder heim. Bleiben wir gespannt, ob ein Nachtrag erfolgen muss?

Entspannung ist was für Anfänger!

Wenngleich ich mir – und vor allem meinem Nevenkostüm – punktuell schon ein kleines bisschen weniger Action gewünscht hätte, kann ich es kaum glauben, dass die 10 Tage nun schon wieder um sein sollen? Da arbeitet man wochenlang auf den Urlaub hin und nach einem Fingerschnippen soll alles schon wieder vorbei sein?
Doch bei all meiner Wehmut, eines werde ich nicht vermissen: diese absolut quarkigen, merkwürdig schrillen Frauenstimmen hier in der Nachbarschaft. Was ist nur los in Bayern? Irgendwie hat hier Darwins „survival of the fittest“ nicht gegriffen, denn sonst hätten diese Frauen doch als erste durch mögliche Fressfeinde erkannt und erlegt werden müssen? Wobei…., andererseits hat sich der Freistaat ja schon irgendwie ein bisschen wie eine Insel für sich entwickelt?

Aber ich mag es hier im Freistaat. Es hat alles ein ganz eigenes Tempo und während alle lieb „Servus“ rufen, falle ich mit meinem „Moin“ oder „Tschö!“ so auf, dass sich Passanten in der Tankstelle neugierig umdrehen. Landsberg am Lech ist übrigens eine unglaublich schöne Stadt, die es unbedingt zu besuchen gilt.

Dieser Urlaub war nicht nur punktuell etwas sehr aktionsbeladen, sondern hat alte wie neue Erkenntnisse und Eindrücke geschaffen. Während Mela, Chrissy und ich wieder bewiesen, dass wir eine perfekte WG haben können, in der jede völlig haltlos seinen Zwängen freien Lauf lassen kann, weil alles wunderbar harmoniert und ineinander übergeht, weiss ich auch, dass ich nie mehr als zwei bis drei Hunde zur gleichen Zeit halten wollen würde. Wobei drei nur dann in Frage kämen, wenn der dritte in der Form und Kompaktheit wie Lotte wäre. Andererseits: hätte ich noch eine zweite Lotte, dann wären wir nicht mehr gesellschaftsfähig und müssten im Freistaat einen einsamen Hof bewohnen. So einsiedlermässig. Ohne Besuchshunde. Oder ohne selbst auf Besuch zu gehen. Quasi wirklich alleine. Mit Computer und Kaffeemaschine als Ansprechpartner und Kontakt zur Außenwelt.

Lotte hat sich hier nämlich größtenteils aufgeführt wie eine tollwütige Wildsau. Normen (der männliche Part am ersten Wochenende) erwähnte mehrmals, dass er sie doch mal gerne auf links gedreht hätte. Da stand ich noch locker über dem ganzen Gehabe von ihr. Zumal ich weiss, dass sie zuhause nicht so hellfreudig ist und nicht alles kommentieren muss. Das ist durchaus ein Zwang, der nicht so gut in eine WG passt… Etwas doof wurde es allerdings, als sie meinte, mit Cobi etwas austragen zu wollen. Ausgerechnet die beiden, die noch beim letzten Besuch Schulterschluss bewiesen hatten und ganz vernarrt ineinander waren. Jetzt haben sie ein etwas angespanntes Verhältnis miteinander – Mädels eben.

Chrissy und ich gaben auch alles, bei unserem Interventionstanz für Fortgeschrittene. Mit vollstem Körpereinsatz versuchten wir die beiden hysterischen Mädels zu trennen, wobei sich Lotte als „die kriegste nicht zu packen!“ erwies und demnächst eine Marke ins Ohr bekommt, Gütesiegel: „Unhaltbar“. Während wir also im Anschluss schweißgebadet dastanden und schon lachen mussten über unsere Formation an sich und dem Geschubse unter uns im Besonderen, foppte Melas Auftritt alles! Ich verneige mich vor ihr und voll empfundener Zuneigung muss ich aufpassen nicht sofort wieder loszulachen, bis die Tränen kommen. Mela hat es geschafft: sie hat mich zum Weinen gebracht! Während Chrissy und ich noch dastanden und uns gerade neu formatieren wollten, als die Mädels wieder übereinander herfielen, kam Mela wie aus dem Nichts von hinten – zwischen uns durch – geschossen, zog sich noch kurz den Gartenschlappen aus und hat sich mit Gebrüll auf die Mädels geschmissen. Naja, genau genommen sind alle drei brüllend hinter den Unterstand verschwunden. Chrissy, die restlichen Hunde und ich blieben stumm alleine zurück und wir fanden uns in einer Situation wieder, die wir einfach nicht ans Hirn weiterleiten konnten. Kurze Zeit später wurden die beiden Kampfmädels hinter dem Unterstand auch stumm, Mela kommt mit den Worten: „Jetzt hab ich aber die Schnauze voll und was die sich überhaupt rausnimmt für ihr Alter ist unglaublich!“ (damit meinte sie Lotte) noch etwas erregt um die Ecke zurück, zog sich ihren Schlappen wieder an und als die beiden Kampfsau-Hunde Mela räudig folgend auch ins Bild kamen, war es vollends um uns geschehen: ich habe so lachen müssen, dass mir die Tränen kamen. Diesen Auftritt von Mela als Grizzlybär werde ich nie vergessen. Ganz großes Kino und coole Nummer! Danke dafür!

Hach, ich werde jetzt schon ganz wehmütig – obwohl ich noch vor Ort bin…!

Ein absolutes Überraschungspaket stellte allerdings Marie dar. Sie war das erste Mal mit im Freistaat auf Urlaub. Im Vorfeld hatte ich mir die wildesten Gedanken gemacht, ob das mit ihr und den anderen Hunden klappen würde oder ob sie nicht vielmehr das eine oder andere „Hackbratenspiel“ veranstalten würde. Tja…, was soll ich schreiben? Es gab und gibt null Theater zwischen ihr und den anderen! Lediglich Finn schnauzt sie manchmal an. Da weiss sie nicht so genau, wie sie ihn nun finden soll. Ansonsten wechseln sie sich wunderbar ab und Marie stellt ihre Herder-Qualität unter Beweis. Finn hatte schließlich seinen gewerkschaftlich festgelegten Urlaub eingereicht und ihr den Job überlassen, auf Haus, Hof und Inventar aufzupassen. Es war wirklich erstaunlich, ganz so, als hätten sie sich untereinander abgesprochen: während einer der beiden aufpasst, zieht sich der andere zurück. Mit Cobi hat sie gerade mal so gar keine Probleme (und ich hätte gewettet, dass es zwischen denen zum Streit kommt), mit Bommel auch nicht.

Da Maries gesamte Story allerdings etwas umfangreicher ist, werde ich diesen Part II auf morgen oder übermorgen verschieben… 😉