Lotte

Gerade hab ich nachgeschaut: im Dezember des letzten Jahres habe ich das erste Mal von ihr hier berichtet. Und geschrieben, dass es sich so langsam einspielen würde, so dass auch mal wieder fünf Minuten Zeit übrig blieben, um etwas zu schreiben… Aha. Ich gebe es zu: neben dem, dass ich nicht den richtigen Dreh fand, war das dann wohl doch ein wenig zu optimistisch gedacht? Wenn ich an diesen Hund denke, weiss ich gar nicht, wo ich anfangen soll… Dieser Hund ist ein Kracher, der uns eigentlich immer auf Trab hält. Egal mit was…, sie zieht alles durch, gnadenlos. Und während wir dachten, dass die schlimmste Phase des Zuschnappens und der Willensbekundungen vorbei ist, fängt sie jetzt wieder von Vorne an. Apropos von Vorne: wo ist das eigentlich?

Lotte

Als wir sie übernahmen, ging Lotte mit dem Vorderbein lahm, denn als sie noch ein Welpe war, trat ihr beim Vor-Vorbesitzer (!) ein 95 kg – Mann auf den Lauf. Das hatte sie gut auskuriert und davon ist nichts geblieben. Vor ca. 7 – 8 Wochen fing sie dann an, Hinten zu lahmen. Der 1. Besuch beim Tierarzt erbrachte den Rat, abzuwarten und den Hund ruhig zu halten. Es trat keine Besserung ein. Der 2. Tierarztbesuch ergab das Gleiche. Diesen Hund ruhig zu halten ist allerdings vergleichbar mit der Aufgabe, einen Ameisenstaat daran zu hindern, seine Arbeit zu verrichten. Das Lahmen wurde immer schlimmer, der Hund immer schiefer.

Wir suchten einen anderen Tierarzt auf. Dieser stellte fest, dass das Knie derweilen leicht entzündet ist. Er wollte den Hund direkt in eine Klinik überweisen und in ein MRT stecken. Bis dato hatte ich allerdings noch nicht einmal Röntgenbilder, obwohl ich stets darum bat, da ich ausschließen wollte, dass sie irgendwelche Knochenabsplitterungen o.ä. hat. Wir wurden mit Schmerzmittel für Lotte versorgt und sollten Kontakt zur Klinik aufnehmen. Meinem Wunsch, doch bitte erstmal den Hund zu röntgen, konnte auch hier nicht nachgekommen werden. Das wäre ja viel zu spontan und röntgen ginge nur mit vorheriger Planung und nach Termin. Man muss dazu sagen, dass ich keine wertvollen HD-Aufnahmen für eine Zuchtzulassung haben wollte, dementsprechend auch nicht den Hund unter Narkose röntgen lassen wollte, zumal Lotte gut „lang zu ziehen“ ist und auch lange genug für eine Aufnahme still hält. Doch statt dieses durchzuziehen, sollten wir den Hund jetzt in eine Klinik bringen, unter Narkose setzen und mit Kontrastmittel ins MRT stecken? Hm…, hier konnten wir auch nichts mehr erreichen und wurden rauskomplimentiert. Das war´s.

Derweilen waren einige Wochen und Tierarztbesuche vergangen, ohne dass wir weitergekommen waren. Lotte hoppelte schon mehr, als dass sie lief, die Muskeln hatten sich einseitig abgebaut und sie zog das Bein mehr hoch, als dass sie es einsetzte. Die Faxen endgültig dicke, bestand ich beim nächsten Besuch unseres eigentlichen Tierarztes auf Röntgenbilder. Nachdem wir massiv wurden, bestätigte dieser nach seinem ständigen „Abwarten und Hund-ruhig-halten“, dass ich recht hätte und ein so junger Hund SO auf keinen Fall laufen dürfe und jetzt ganz schnell gehandelt werden müsse. Aha? Die Röntgenaufnahmen zeigten zwar eine nicht ganz so schöne Hüfte, war aber ansonsten ohne Befund – was gut war.

Ich suchte eine Osteophatin, was hier im Eck schon schwer genug ist. Als wir Lotte dort vorstellten, fand sie sofort drei Triggerpunkte: Knie, Meniskus und Kreuzband. Sie empfahl uns einen Spezialisten, von dem sie das gerne noch einmal abgeklärt haben wollte und so machte sie einen Termin für uns. Lotte und ich unternahmen eine wahre Serpentinen – Abenteuerreise, um schließlich in einer Freakshow zu landen!

Als Spezialist hatte er es wohl noch nicht einmal nötig, eine Gangbildanalyse zu machen. Stattdessen begrüßte er uns mit den Worten: „Ach, da kommt ja ein langwieriger Kniepatient, hinten links, richtig?!“ Nachdem er genau das tat, was auch andere Tierärzte vor ihm taten, nämlich die Gelenke abtasten und durchbewegen, reagierte Lotte beim sogenannten „Schubladentest“ sehr schmerzhaft. Er teilte mit, dass der Meniskus ok sei, das Kreuzband auch nicht gerissen, aber evtl. beschädigt. Er würde den Hund operieren wollen, um rein zu schauen und zu gucken, was da nicht stimmte und darüber hinaus müsse ich mich auf eine Folgeoperation bei ihr einstellen. Eine eigentliche Kreuzband-OP könne man nämlich bei ihr noch nicht durchführen, da sie noch zu jung und die Wachstumsfugen zu breit seien. Dass eine Kreuzband-OP anstehen würde, obwohl dieses gar nicht gerissen ist, fand ich durchaus merkwürdig. Auf meine Frage, ob er jetzt auf bloßen Verdacht hin den Hund operieren wolle, wo er doch gar nicht weiss, was eigentlich wirklich ist, meinte er, dass das notwendig sei, er würde dann die Erstversorgung vornehmen und gleich mal schauen, ob eine OCD ( = Osteochondrosis dissecans, eine Knochen- / Gelenkserkrankung beim Hund, vorwiegend bei mittelgroßen bis großen Hunden) vorliege (wovon er aber selbst nicht ausging). Das Ganze ging noch eine Weile hin und her und ich stand wie paralysiert und irgendwann einfach nur noch erschöpft vor dem Behandlungstisch, nachdem er mir noch mitteilte, dass für ihn bei diesem Hund nur eine TPLO-OP in Frage käme. Nachdem ich merkte, dass es dort kein links und rechts gab für ihn und ich meine Zweifel anbrachte, da Lotte seit zwei Tagen wieder anfing, aufzufußen und das Bein zu belasten und ich darüber hinaus nicht wüsste, wie ich diesen Hund 3 Monate ohne Folgeschaden in eine Box sperren sollte (sein Kommentar: Hund in die Box, Handtuch rüber, ins Nachbarzimmer stellen und sich nicht dran stören) und dann noch zwei Monate zur Physio bringe, um dann von Vorne anzufangen, dieses aber nicht wirklich ankam, verließ ich die Praxis. Ich fuhr nach Hause, schnappte mir auch Marie und wir gingen erstmal in den Park. Während dieses Spaziergangs entschied ich mich gegen diese beiden OPs – zumal Lotte das Bein wieder benutzte.

Ich telefonierte später noch mit der Osteopathin. Ich wollte ihr mitteilen, dass ich gegen diese OPs sei, sehrwohl aber eigentlich weiter mit ihr zusammenarbeiten wollen würde. Sie hatte durchaus Verständnis für meine Bedenken, drängte aber schon drauf, den Rat des Tierarztes zu befolgen und den Hund operieren zu lassen. Auch hier kam ich nicht wirklich weiter, irgendwann war ich einfach nur noch „durch“. Darüber hinaus nahm das irgendwie eine Eigendynamik an, die mir ganz und gar nicht gefiel. Es war zwar nett, dass sie für uns den Termin abgesprochen hatte, dass aber die Praxishelferin eigenständig bei ihr anrief, um ihr von unserem Besuch samt Ergebnis aus Sicht des Arztes zu erzählen und sie wiederum mit der Praxis den OP- und Behandlungsplan besprechen wollte, gab mir durchaus das Gefühl, dass mir meine Entscheidungen abgenommen werden sollten und andere über meinen Hund entscheiden würden?! Ich entschied mich gegen diesen Weg! Lotte läuft zwar noch immer nicht schön, aber sie fängt an, das Bein wieder einzusetzen und in den normalen Bewegungsablauf hinein zu kommen.

Je länger ich über all das nachdachte, desto schräger erschien mir diese ganze Aktion des Tierarztes. Ich werde mich hier jetzt nicht in Gedankengängen und Spekulationen verlieren, nur soviel: für mich war es die richtige Entscheidung, diesen Wahnsinn nicht weiter zu verfolgen!

Und während Lotte weiter regeneriert, setze ich mich gerade mit einer äußerst interessanten Behandlung auseinander: der V-PET Thrombozytentherapie.

Lotte

Als würde das nicht alles schon reichen, so zog sich Lotte auch noch eine Vergiftung zu. Wir waren am Abend auf Runde, Lotte hatte sich an einem menschlichen Kothaufen genüsslich getan (urgs!). Ca. 1 Std. später fing sie an zu schwanken, als wäre sie betrunken. Ich nahm sie mit in den Flur, woraufhin sie jede Berührung meinerseits mit einem Angriff ihrerseits abwehrte. Und diese meinte sie durchaus ernst, mit knurren, Nackenhaare aufstellen und in den Unterarm beissen. Ich schickte sie in den Garten, hatte gemeint, sie solle sich dort abreagieren. Lotte rannte 3 x im Kreis um mich herum wie auf Speed und wieder rein – spätestens da wusste ich, dass es ernst war, denn dieser Hund geht nicht freiwillig wieder rein um sich hinzulegen. Der ganze Hund schwankte, die Augen flimmerten, sie war nicht wirklich ansprechbar und zeigte offensichtliche Vergiftungserscheinungen. Meine Panik stieg, denn ich hatte kein Auto vor der Tür, wusste nicht, wo ich mit dem Hund hinsollte und Taxis nehmen hier keine Hunde mit – schon gar nicht solch aggressive und wir steuerten schon auf Mitternacht zu. Vor meinen Augen sah ich schon neurologische Ausfälle, epileptische Anfälle und Kreislaufversagen. Aber Lotte legte sich hin. Jedes Mal, wenn sie den Kopf hob, schien sie Karussell zu fahren. Irgendwann legte sich sich flach auf die Seite auf den Teppich und fing an zu schnarchen wie ein Berber! Sie atmete tief und ruhig, ich konnte Herzschlag und Schleimhäute kontrollieren, alles im grünen Bereich. Ca. 3 Stunden später wechselte sie das Zimmer, noch immer schwankend, aber sie legte sich sofort wieder hin. Morgens um 6 Uhr war der Spuk dann vorbei. Lotte war wieder im Vollbesitz ihrer geistigen und körperlichen Kräfte und begrüße mich gut gelaunt, als sei nichts gewesen – Glück gehabt und ein Hoch auf diesen kleinen zähen Hund!

Da ich ausschließen konnte, dass sie an diesem Tag nichts unbekanntes – mit Ausnahme des menschlichen Kots – gefressen oder gesoffen hat, gehe ich davon aus, dass in diesem Kot Toxine enthalten waren, eine ausreichende Menge Drogen, um meinen Hund in diesen Zustand zu versetzen. Was für eine Horrorshow!

Hallelulja!

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