Cuxhaven – ohne Handy

Der Urlaub stand an. Es war an der Zeit, das Handy mal komplett auszuschalten und es tatsächlich auch ausgeschaltet zu lassen. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal nicht erreichbar war, mein Smartphone nicht auch im Urlaub benutzt hatte um „mal eben schnell“ eMails abzurufen, die eine oder andere Nachricht zu schreiben oder auch komplette Blogbeiträge mit eben diesem zu verfassen. Dieses Mal sollte es anders werden!

Und dann stand ich da im Wald…, ohne Handy. Ich genoss den Wald mit allen Sinnen und starrte wie paralysiert auf die Wassertropfen an den Birkenästen. Wie schön sie waren! Das wäre spätestens der Moment gewesen, in dem ich mein Handy aus der Tasche geholt, diesen Anblick fotografiert hätte, um das Bild dann zu zeigen oder mich an diesen Augenblick zu erinnern. Ich musste grinsen, weil ich dachte: „Ok, Bild ist nicht. Aber wie soll man diese Schönheit beschreiben ohne allzu pathetisch zu werden?!“. Seit Jahren bin ich das erste Mal an meinem Lieblingshügel im Wald vorbei gekommen, ohne ihn fotografiert zu haben… An einer Weggabelung hielt ich inne und verlor mich bald in der Stille, die mich in diesem Moment umgab. Wie herrlich sie war. Diese Stille… Apropos: da fehlte doch was? Bzw. eher jemand? Stimmt: ich war doch mit Hund gestartet, aber wo war Lotte jetzt?! Nachdem ich mich ein paar Mal im Kreis gedreht hatte, ohne irgendetwas an Geräusch zu vernehmen, entdeckte ich sie hinter einem Busch, aus dem heraus sie mich beobachtete und anstarrte. Jeder hat halt so seine eigene Philosophie zum Thema „Stille“. Und so standen wir noch eine Weile: Lotte hinter dem Busch, ich am Trampelpfad und wir lauschten…, dem jetzt einsetzenden Eisregen. So schön das auch war, aber es war dann doch spätestens jetzt soweit, den Weg fortzusetzen!

Es ist längst kein Geheimnis mehr, wieviel Zeit man mit seinem Handy „vertun“ kann. Nicht nur, dass ich mich selbst vor etwaigen Anrufen, Mails und Nachrichten schützen wollte, die die Arbeit betreffen, so hatte ich auch einen unglaublichen Zeitgewinn dadurch, dass ich privat auch nichts mehr zur Verfügung hatte. Zeit, sich noch mal neu zu orientieren, sich auseinander zu setzen und zu schauen…*

 

Zeit für Lotte und mich

Was Lotte und ich in all den Monaten nicht schafften, haben wir in 10 Tagen wieder aufgeholt. Ok, das war jetzt ein kleines bisschen übertrieben, aber während Ditze mit Marie joggen ging (und das taten sie an acht von zehn Tagen), haben Lotte und ich die gemeinsame Zeit genutzt. Unter anderem hatten wir unseren ersten richtigen Rehkontakt. Bis dato wusste ich nicht, was Lotte tun würde, wenn sie diese wahrhaftig zu Gesicht bekommt und nicht nur riecht. Und während wir durch den Wald liefen, kreuzten zwei Rehe ca. 10 Meter vor uns den Weg. Lotte stutzte kurz und… rannte hinterher! Und während ich noch hoffte, dass jetzt bitte nicht der ausdauernde Beagle in ihr erwachen möge und sie vielleicht aufgrund ihrer Bodennähe eh im Unterholz stecken bleiben würde, verschwand sie aus meinem Sichtfeld. Keine 10 Sekunden später sah ich sie wieder. Sie schien etwas orientierungslos zu sein und selbst, wenn ihre Nase hervorragend funktioniert und sie diese eigentlich auch perfekt einsetzt, so verlor sie sich ein wenig in ihrem Aktionismus. Gut für mich, denn so konnte ich mich strategisch gut positionieren und im passenden Augenblick mein Signal mit der Pfeife absetzen. Lotte reagierte sofort und kam so schnell ihre Beine und Pocke es zuliessen zu mir gerannt. Sie schien nahezu erleichtert zu sein, wieder bei mir zu sein, denn sie hatte sich nicht nur in ihrem Aktionismus kurzfristig verloren, sondern auch ihren Kontakt zu mir. Es ist doch wunderbar, wenn sich alles im richtigen Moment so zusammenfügt! Fortan liess sie mich nicht mehr aus den Augen und orientierte sich an mir. Sie lernte, dass sie in meiner Nähe bliebt, andere Hunde und Menschen nicht ständig begrüßen muss, hund auch mal alleine im Auto warten kann, der Einsatz ihrer Zähne in Richtung meiner Hand am Kühlschrank nicht erwünscht ist etc.. Augenscheinlich keine großen Sachen, wer aber Lotte, ihren „Humor“, ihre Willensstärke und ihre Null-Frustrationstoleranz kennt, der kann sich in etwa vorstellen, dass wir große Schritte gemacht haben. Aber unabhängig davon, ob sie zu anderen hinrennt und sie abcheckt oder nicht, hat uns diese intensive gemeinsame Zeit in unserer Beziehung unheimlich gestärkt. Und um jetzt mal so richtig kitschig-pathetisch zu werden: Lotte hat mir meinen Glauben wiedergegeben!

Marie

Nach ihrem Einzug vor fünf Jahren wurde ich dermaßen knallhart geerdet, dass ich mit der Nase voran auf dem Boden aufklatschte. In all der Zeit bekam ich es mit ihr nicht hin, dass sie an lockerer Leine läuft, das Wort gemeinsam bei Spaziergängen ist ihr nach wie vor fremd und sie glaubt weiterhin, dass die ganze Welt nur aus jagdbaren Opfertieren besteht. Ableinen ist ein utopischer Wunsch, denn sie ist und bleibt draußen ein völlig durchgeknallter Köter. Wir wären nicht wir, würden wir nicht immer mal – trotz alledem – einen Versuch starten und uns somit quasi den immer währenden Ist-Stand bestätigen. Und so leinten wir sie am Strand ab. Während sie die ersten hundert Meter mit Vollgas in meine Richtung rannte, machte sie kurzerhand einen Bogen und… war dann mal wieder weg! Nein, es wundert mich nicht. Es hätte mich eher gewundert, wenn sie tatsächlich zu mir gekommen wäre. Und während Marie wieder mal aus dem Sichtfeld verschwand und potentielle Beute jagte (… egal, wenn keine sichtbar ist, sie würde schon was finden, ausdauernd genug ist sie. Sie würde eher tot umkippen, als aufzugeben.), ließ sich Lotte nicht lange bitten und setzte hinterher. Gut für uns, denn sie gab Spurlaut, hatte Marie tatsächlich im Dünengras zu packen bekommen und lautstark an ihr herum gezerrt. Lottes eigenartiger Humor, gekoppelt mit Frau Rottenmeiers „Hier wird sich nicht amüsiert!“ half uns, die beiden flux zu orten und wieder einzusammeln.

Marie hatte es also geschafft mich in dieser Zeit zu „knacken“ und meinen Glauben an mich zu verlieren. Da nutzten auch keine Gedanken etwas; daran, dass ich bereits mehrere Hunde „wildrein“ bekam, innige Beziehungen aufbauen konnte und mal so etwas wie eine „natürliche Präsenz“ bei Hunden hatte (ich winke mal zu meiner Sista rüber, die mir dieses eine Zeit lang immer wieder mitteilte – Danke :*). Mit Marie war all das ausgelöscht und ich ja offensichtlich unfähig. Doch so langsam verschiebt es sich erneut und Dank Lotte komme ich wieder auf meinen Pfad zurück (an dieser Stelle winke ich auch zu Chrissy rüber: so eine Szene an Eurer Spülmaschine mit all meiner komischen Hirngrütze wird es fortan nicht mehr gehen! :))) und ich werde wieder mehr ins Thema „eintauchen“ und mal schauen, was daraus werden kann…?!

 

Urbex

Während ich mein Handy zuhause liess, sah ich, dass ich zu einem der verlassenen Gebäude auf dem Krankenhausgelände Zugang hatte. Nach Jahren stand dort doch tatsächlich mal eine Tür offen? Ich konnte nicht anders und schaute hinein. Zum ersten Mal sah ich, was sich in diesem Gebäude befand (Ditze konnte sich das nicht mit ansehen und lieh mir sein Handy, so dass ich doch das eine oder andere Bild vom Gelände machen konnte). Ähm…., ja:

 

Über meinen alten Blog erhielt ich mal eine Zuschrift mit der Frage, ob ich wüsste, wo sich ein bestimmter Zugang (zum möglichen Bunker?) befinden würde. Daran musste ich denken, als ich hierauf traf:

 

Sah vielversprechender aus, als es tatsächlich war, denn das verbarg sich hinter der ursprünglich versiegelten Tür:

 

Lesen

Erstaunlich an diesem Urlaub war auch, wie wenig ich gelesen habe. Ich hatte mir zwar einige Bücher mitgenommen, aber nur 1,5 davon gelesen. Unter anderem dieses wundervolle Buch:

Eine Geschichte über das Alter, das selbstbestimmte Leben und Sterben, Freundschaft und Begegnungen. Ich werde es mir ausnahmsweise jetzt leicht machen und auf die Rezension von Mara (Buzzaldrins Bücher) verlinken:

Ein Leben mehr von J. Saucier

 

 

Seit gestern sind wir nun zurück… Alles in mir sträubt sich, wieder in den Alltag zurück zu kehren, den ich gerne anders hätte. Zeit, neue Pläne zu schmieden!

 

* Eine Woche hatte ich das Handy komplett ausgestellt im Schrank liegen. Eigentlich wollte ich es am Sonntag nur kurz einschalten, telefonieren und dann wieder ausstellen. Da der Ansturm aber widerratend nicht ganz so groß war, liess ich es eingeschaltet. Aber erzählt mir doch nichts: die Klienten und alle Beteiligten riechen es doch, wenn das Handy eingeschaltet ist. Es dauerte nicht lange und es ging wieder los. Anrufe und Nachrichten ignorierte ich aber weitestgehend.

 

 

[Buch] Ein wenig Leben

„Endlich hab ich dieses vermaledeite Buch zu Ende gelesen.“
„Wieso, war es denn nicht gut?“
„Doch, aber anstrengend!“

 

 

Alles an diesem Buch ist zu laut, zu schrill, zu überzogen, zu überladen, zu viel, zu wenig, zu leise, zu wuchtig, zu anstrengend. Eine Übertreibung an allem. Und dennoch ist es genau richtig so, denn nur dadurch kann es so wirken und so viel auslösen im Leser.

Die Marketingstrategie dieses Buches ging voll auf, denn auch ich liess mich im Vorfeld anstecken, freute mich auf dieses Buch und konnte es kaum erwarten, endlich mit dem Lesen anfangen zu können. Und auch mir erging es so, dass mich schnell so eine Art Sog in dieses Buch hineinzog und ich es immer weiter lesen wollte. Dieses Buch „hat was“. Nur was? Ich kann es mir nach wie vor nicht richtig erklären, denn allzu schnell war ich auch gereizt, genervt, übersättigt und … manchmal sogar gelangweilt von all den Entschuldigungen sämtlicher Protagonisten. Es ging soweit, dass ich dachte, ich müsse ausflippen, wenn auch nur noch einer in meiner Umgebung die Worte „Es tut mir leid, es tut mir so leid!“ wählen und aussprechen würde.

Dieser Roman ist exzessiv, er macht mürbe. Aber genau das wollte doch erreicht werden?

Vier Freunde aus der Collegezeit

Jude, Willem, JB und Malcom – sie alle verbindet eine Freundschaft. Schnell wird aber klar, dass Jude den größten, den intensivsten und damit auch schmerzvollsten Part übernehmen würde. Die tiefe Verbindung zu Willem (oder vielmehr die Willems zu ihm) und wenn aus Freundschaft Liebe wird.

Jude hat mich wahnsinnig gemacht. Er mit seinem schweren Schicksal, bei dem man meint, es könne nicht mehr schlimmer kommen. Und dann kommt doch noch mehr und es wird schlimmer und man stellt sich zwangsläufig die Frage, wie viel ein Mensch ertragen kann, zu ertragen bereit ist? Ich wollte Jude nach dem ersten Anflug von Ungeduld schütteln, wollte ihm sagen, er solle jetzt endlich mal aufhören mit seiner Geisselung, ich wurde wütend und ich hätte ihm eine runterhauen wollen, mich umdrehen, abwenden und sagen wollen „Es ist Deine Entscheidung, lebe damit oder lasse es bleiben!“. Ich hätte mich zu ihm setzen wollen, gemeinsam mit ihm schweigen, ihm sagen wollen „Ich verstehe Dich.“, vielleicht sogar den Arm um ihn legen wollen.

Und genau deshalb ist dieses Buch so geschrieben worden, wie es geschrieben wurde – für diese Achterbahnfahrt, dieses Nachvollziehen können. Und gerade weil es immer und immer weiter macht mit seinen Schilderungen, die einen an den Rand bringen – sogar an den, dass man diese Aggression verspürt, man sich aber selbst wieder zurück nimmt, um eben nicht genau so zu reagieren, wie es provoziert wurde, ist es so anstrengend. Ich glaube fast, dass dieses nicht erreicht hätte werden können, wenn es nicht immer noch schlimmer gekommen wäre, sondern der Roman zwar mit all der Ausgeburt der Schicksalshölle geschrieben worden, aber letzten Endes doch vor sich hingeplätschert wäre.

Von der Wahrscheinlichkeit wie ein Leben verlaufen kann

In vielerlei Hinsicht ist dieser Roman realistisch. Sogar so, dass ich denke, dass es genau so laufen kann, sogar läuft bei einem Trauma, das so tief liegt, dass es nicht bewältigt werden kann. Schon aufgrund meines Jobs (oder meiner Persönlichkeit?) gibt es kaum etwas, was mich überrascht im menschlichen Denken und Handeln. Egal wie unerklärlich es auf den ersten Blick erscheint, so nachvollziehbar ist es auf dem zweiten.

Aber wie wahrscheinlich ist es, dass ein Mann im Erwachsenenalter von einem sehr erfolgreichen Herren adoptiert wird? Um einen Erben zu haben, um ein Loch zu füllen, um die Liebe und den Respekt auszudrücken? Wie wahrscheinlich ist es, dass man trotz der verkorksten Kindheit, nahezu ohne Schulbildung, ein erfolgreicher Anwalt wird? Dass alle Protagonisten auf kurz oder lang total erfolgreich und berühmt werden? Sie alle über Traumjobs verfügen und genau das tun können, was sie wollen? Dass sie immer an den Richtigen / an den Falschen geraten? Dass es niemanden überrascht – egal in welcher politischen Epoche sie leben -, wenn aus besten Kumpels homosexuelle Beziehungen entstehen? Wenig wahrscheinlich…. Dieser Roman hat aber sicherlich auch gar keinen Anspruch darauf, als „Tatsachenbericht“ zu gelten, vielmehr will er übertreiben und diese Unwahrscheinlichkeit wird zur Nebensache. Es passt ins Gesamtkonzept und damit überrascht es nicht wirklich.

Entgegen der allgemeinen Annahme, dass diese Geschichte einen zum Weinen bringt und man unbedingt mit jemanden sprechen wollen würde, wenn man sie durchgelesen hat, musste ich weder weinen, noch hatte ich ein Bedürfnis tatsächlich zu reden. Vielmehr entstand der eingangs wiedergegebene Dialog mit meinem Mann und ich hatte tatsächlich das Gefühl, dass ich es endlich geschafft hatte, als ich die letzte Seite zuklappte. Es ist nicht so, dass ich meine, dass dieses Buch nicht gelesen werden muss, ebenso wenig, wie es unbedingt gelesen werden muss. Neben diesem Sog es unbedingt weiter lesen zu wollen, war ich durchaus so aufgewühlt, wie es im Vorfeld angekündigt war. Aber aufgewühlt aggressiv, weil ich mich an den Protagonisten reiben konnte, mit den Augen rollen, wütend war. So wütend, dass ich bald selbst zum Messer gegriffen hätte, man sich bald selbst ins Fleisch schneiden möchte und gleichzeitig war ich unendlich genervt. Von allen. Sowohl von Jude, als auch allen anderen Beteiligten mit ihren überzogenen altruistischen Verhaltensweisen.

Ziel erreicht

Sowohl im Buch, als auch bei mir ausserhalb. Vielleicht nicht so wie gedacht – oder vielleicht doch genau so?

 

 

Ich bin bewusst nicht mehr auf die Geschichte an sich eingegangen. Zum einen, weil dieses Buch derzeit in so ziemlich aller Munde ist und zum anderen, weil ich selbst nicht zuviel vorweg verraten wollte. Aber bei Hanser Literaturverlage könnt Ihr noch mehr erfahren.

 

Ein wenig Leben von Hanya Yanagihara (übersetzt von Stephan Kleiner
erschienen 2017 Hanser Literaturverlage, 960 Seiten, ISBN: 978-3-446-25471-8

Vom verlorenen Überblick und dem ersten Satz

*

Ehrlich gesagt, habe ich ein wenig den Überblick verloren…

Seit dem Crash meines Bloginhaltes nach dem Umzug, ging mir ein wenig die Motivation flöten, überhaupt noch etwas zu schreiben. Neben dem, dass immer wieder „das Leben an sich“ dazwischen kam, hatte ich meinen eigenen Anschluss verpasst.

Mit dem Online-Verlust meiner Texte, hatte ich für mich auch meine „Visitenkarte“ in der Zusammenarbeit mit den Verlagen verloren. Sicherlich hätte es einfach ein paar eMails mit einer kurzen Schilderung bedurft, um dabei zu bleiben. Aber im Nachhinein dachte ich nur, dass es vielleicht auch gut so war. Das viele Tanzen auf unterschiedlichen Baustellen hat nicht unbedingt dazu beigetragen, meinen Entspannungspegel zu erhöhen. Ich war auch schlicht übersättigt von all dem. Von all den Neuerscheinungen, der Schnelllebigkeit in der Bücherwelt, dem Hype und dem schnellen Fall der zuvor gehypten Bücher, die schon ein paar Tage später auf dem „Mängelexemplar – Wühltisch“ landen. Gekoppelt mit irgendwelchen „SuB“ (Stapel ungelesener Bücher), „RuB“ (Regal voll ungelesener Bücher) und „WuLi“ (Wunschlisten), den ständigen Fragen danach „ob man dieses oder jenes Buch gelesen haben muss“ und den tatsächlich niederschmetternden Wohlstandsfragen, wie man denn bitte sein Bücherregal einsortieren sollte. Hinzu kommen Gewinnspiele diverser Bücherblogs, eines jagt das andere und jeder wundert sich, warum die Teilnahme so gering ist, wo es doch neben einem Buch noch Teebeutel und Altpapier (getarnt als sog. „Goodies“) zu gewinnen gibt. Ich brauchte eindeutig eine Auszeit und Abstand von all dem.

Ich weiss nicht, wieviele Bücher ich in der Zwischenzeit gelesen habe… 10? 15? 20? Letzten Endes ist es auch egal, weil ich keine Listen führe und auch nicht von einem zum nächsten Buch hechle. In jüngster Zeit schlich sich aber doch das Gefühl des Vermissens ein… Das des Austausches oder wenn ich den einen oder anderen Autor, das eine oder andere Buch so herausragend fand, dass ich es gerne mitteilen würde. Oder wenn ich mich hab wider erwartend doch anstecken lassen. So wie jetzt mit „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara. Oh, was hab ich dem Erscheinungsdatum entgegen gefiebert, um dann enttäuscht festzustellen, dass es ein bis zwei Monate braucht, bis es geliefert werden kann. Nach der Enttäuschung darüber kam die Freude, dass ich es doch „schon“ in den Händen halten konnte, weil es der hiesige Buchhandel bei mir um die Ecke hatte. Der großartige Moment, als ich das Buch gestern von der Folie befreien und endlich anfangen konnte, es zu lesen. Oder wenn sich mein Mann mit zwei seiner Freunde trifft, die beide ebenfalls gerne lesen und selbst, wenn ich diese Männer bisher nicht kennengelernt habe, tauschen wir über meinen Mann Lesetipps aus. Wie praktisch ist es da, wenn man den Link zu seinem Blog rüberschicken kann….

Aber nicht nur das Schreiben über Bücher hat nicht mehr stattgefunden. Auch insgesamt habe ich nichts Privates mehr geschrieben. Wie oft nahm ich es mir vor, habe es aber dann doch nicht getan. Weil ich keine Lust hatte, mir die Energie fehlte und ich mir ernsthaft die Frage stellte, warum ich das eigentlich tun sollte? Über die Dinge und Geschehnisse, welche mich so beschäftigt haben, darf ich nicht schreiben. Sie unterliegen der Schweigepflicht und ich bin nunmal leider kein investigativer Journalist. Bei allem anderen tat ich mich schwer. Ich bekam noch nicht einmal einen anständigen Plot hin. Ich hatte mal mehrere Tage schon fast manisch geschrieben. Hatte am NaNoWriMo teilgenommen. Zwar waren nun nicht alle Protagonisten direkt auf Seite 3 gestorben oder ermordet worden, aber allzu schnell glitt mein Schreiben in Bereiche ab, in denen ich dachte, dass das nie gelesen werden darf. Zu privat, zu krank. Burnside wäre bestimmt stolz auf mich gewesen…

Heute war nun also seit Monaten der erste Tag gewesen, dass ich wirklich das Bedürfnis verspürte, hier etwas zu schreiben. Und irgendwann muss man ja mal anfangen. Mit dem ersten Satz…

Und für alle, die sich jetzt fragen, was denn aus meinen Hunden geworden ist: sie leben noch, rauben mir weiter meine Nerven, sorgen für das entsprechende „Bauch – Beine – Po“ – Programm während der Spaziergänge… Marie ist eben Marie und Lotte hat sich weiter zu einem absolut willensstarken Breitmaulfrosch entwickelt und dafür gesorgt, dass ich mich neben der Arbeit nun ein wenig mit Massage und Dorntherapie für Hunde auseinander setze. Die ersten Seminare sind gebucht und bestätigt und ich freue mich schon drauf. Hoffentlich werden Lotte und ich nicht das ganze Seminar sprengen und mit ordentlich viel neuem Input zurück kommen.

„Ich ziehe mal eben um….“

Mal eben kurz umziehen

So war der Plan. Wie soll ich´s schreiben: der Domainumzug hat geklappt. Aber das ist leider auch schon alles.

Meinen letzten Blog habe ich über viele Jahre geführt. Mal mehr, mal weniger regelmässig. Ich habe viele Geschichten erzählt und tolle Kontakte geknüpft.

Angefangen mit dem „Urlaubstagebuch für Daheimgebliebene“, über meine Hunde, die etwas anderen „schönen Ecken“ in einer Großstadt, über Videos und Privates, Skurriles und Alltägliches. Geschichtliches zum Krankenhausgelände samt Gebäude, bishin zu Buchrezensionen und Verlagskontakten war der Umzug das Ende dieses Blogs.

All das liegt mir zwar noch als eine Datei vor, diese lässt sich aber nicht importieren. Egal, was und wie ich es ausprobiert habe.

Nachdem die erste Wut verflogen war, hab ich mir die Frage gestellt, was jetzt überhaupt ansteht? Ist es vielleicht Zeit, alles nochmal zu überdenken, neu zu machen? Gleichzeitig vermisse ich einiges. Ich denke, ich werde nach und nach einige Beiträge hier manuell wieder einstellen. Aber das braucht viel Zeit und Musse und wird auch nicht vollständig erfolgen können.

Wir werden sehen?!

 

TiRoCux

 

[Buch] Der Jungfrauenmacher

 

[Buch] Der Jungfrauenmacher

Wie bereits bei „Die Sandwitwe“ angekündigt, hier nun also tatsächlich der erste Teil von Henning und Jansen.

Die Ermittler Henning und Jansen haben es bei diesem Auftakt der Thrillerserie von Derek Meister mit einem Mörder zu tun, der seine Opfer in die Tiefe zieht und sie wie Kreaturen des Wassers aussehen lässt.

Während eines Unwetters samt Überschwemmung, wird die Leiche einer Frau an den Strand gespült, welche merkwürdige Wunden mit Kiemennachbildungen aufweist. Als kurz darauf eine zweite Leiche aufgefunden wird, ahnt Polizeichef Knut Jansen, dass er es in seinem ansonsten beschaulichen Valandsiel mit einem Serienmörder zu tun bekommt. Parallel lernt er die Profilerin Helen Henning kennen, die nach dem Tod ihres Vaters und ihrem Aufenthalt in den USA an die Nordsee zurück kehrt und nicht nur den Nachlass regeln muss, sondern ihre eigene Geschichte mit im Gepäck hat. Gemeinsam setzen sie alles dran, um den Mörder zu fassen, ehe das nächste Opfer zur Jungfrau wird.

Selbst wenn mich insgesamt der zweite Band mehr begeistert hat, so ist Der Jungfrauenmacher als Auftakt ebenfalls sehr überzeugend. Die Grundidee fand ich super (ein erneutes Hoch auf diesen Einfall des Autors), ebenso waren die Spannungsbögen (wieder) angemessen und klasse. In diesem Buch wird der Grundstock für die Begleitstory von Hennig und Jansen gelegt, ebenso wird hier der Konflikt von Knut Jansen und seinem Vater – dem ehemaligen Polizeichef – deutlich. Alles in allem ein guter Einstieg, der seine weitere Steigerung im zweiten Band erfährt.

Derek Meister wurde 1973 in Hannover geboren, studierte Film- und Fernsehdramaturgie und schreibt erfolgreich Romane und für´s Fernsehen. Mehr Infos finden sich auf seiner Homepage.

Unter anderem ist von ihm auch die „Rungholt – Reihe“ erschienen, von der ich mir jetzt den 1. Band bestellt habe…, ich bin gespannt.

Der Jungfrauenmacher von Derek Meister, erschienen 2015 im Blanvalet Verlag, 413 Seiten, ISBN: 978-3-7341-0060-4

[Buch] Die Sandwitwe

 

[Buch] Die Sandwitwe

Im Klappentext heisst es:  »In Valandsiel werden mehrere mit Sand gefüllte Leichen gefunden, die der Mörder zu grotesken Figuren drapiert hat.« Es wurde nicht zuviel versprochen!

Derek Meister hat mit Die Sandwitwe einen Thriller vorgelegt, der mich mehr als positiv überraschte. Wenngleich es eigentlich nach „Der Jungfrauenmacher“ der zweite Band und damit Fall von Kommissar Jansen und Profilerin Henning ist, so bin ich mit diesem Buch eingestiegen, habe nichts an Vorabinformationen vermisst und konnte der Story sehr gut folgen. Der Band hat mich sogar so begeistert, dass ich unbedingt auch den ersten Teil lesen möchte.

In Valandsiel an der Nordsee werden also mit Sand gefüllte Leichen gefunden, welche mit zunehmender Anzahl stets perfekter und brutaler ermordet wurden. Nachdem zunächst kein Muster erkennbar ist, meldet sich der Mörder anonym bei der Polizei. Diese gerät zunehmend unter Druck, denn es befindet sich noch ein weiteres Opfer in seiner Gewalt. Im Rahmen der Ermittlungen stossen Jansen und Hennig auf einen Unfall, der 25 Jahre zurück liegt und bei dem der Junge Brand tödlich verunglückte. Oder hatte er doch überlebt und ist nun auf Rache aus?

Die Spannungsbögen sind nahezu perfekt und was der Autor an Verbindungen und Ideen einbrachte, liess mich staunen. Darauf muss man erstmal kommen! Wenngleich es an keiner Stelle überzogen wirkte. Auf den ersten Seiten bin ich auf ein paar befremdliche Worte wie „…ätzte Knut“ (statt „… antwortete gereizt“ o.ä.) gestossen, die mich skeptisch machten. Hatte ich doch keine Lust, hier einen „Jugendthriller“ im Slang zu lesen. Doch nicht nur, dass es sich komplett verlor, so packte mich die Storyline derart, dass es mir sogar egal gewesen wäre. Nahezu klassisch, die Begleitstory von Jansen und Henning: der verliebte Cowboy und die Profilerin mit Vergangenheit. Gibt dem Ganzen zwar ein wenig zusätzliche Würze, aber die eigentliche Story ist gespickt mit so vielen Detailbeschreibungen, dass schon sie alleine den Leser mitnimmt, so dass sie mehr als ein zusätzlicher „Bonbon“ gelten dürfte. Wer mich kennt weiss, dass ich ein Nordeseefan bin und mehr noch: ein Freak, was verlassene und verfallene Häuser angeht. Auch hier kam ich voll auf meine Kosten und als ich dann auch noch auf den letzten Seiten etwas von Dr. Tillmann – dem Psychologen – las, hätte es für mich nicht runder sein können und ich war nahe dran, dem Autor eine eMail zu schreiben!

Die Sandwitwe von Derek Meister, erschienen im Mai 2016 im Blanvalet Verlag, 383 Seiten, ISBN: 978-3-7341-0061-1

[Buch] Santiago liegt gleich um die Ecke

 

[Buch] Santiago liegt gleich um die Ecke

Der Autor Stefan Albus erklärte kurzerhand die Stadt Trier zu seinem Santiago und pilgerte los. Von der Haustür aus startete er in Dortmund, um 23 Tage später in Trier anzukommen. Die rund 400 km bewältigter Weg hält er hier in diesem Buch fest. Dabei erlebt er allerhand ernüchterndes, kurioses, trifft auf skurrile Menschen, schüttelt Heino die Hand und lässt an all dem seine Leser teilhaben.

Pilgern muss nicht immer was tief religiöses haben oder zu wahnsinnigen Eingebungen führen. Scheinbar mit Reisszwecken gefüllte Schuhe gehören genauso dazu, wie ein zu schwerer Rucksack, der sich in den Rücken bohrt. Stefan Albus verpackt es allerdings in eine kräftige Portion Humor und es ist durchaus sehr erfrischend, unter all den Pilgerbüchern mal eines zu lesen, in dem der Autor tatsächlich die Wege läuft, die sich direkt um die Ecke befinden. Deutsche Pilgerwege sind nicht weniger spannend, als spanische. Wohl eher das Gegenteil ist der Fall, denn hierzulande steht der Tourismus nicht unbedingt an erster Stelle und der Hype darum findet eher in südlicheren Regionen statt. Gerade das macht dieses Buch lesens- und liebenswert. Und irgendwie eröffnet sich dem Autor dann doch noch die eine oder andere Erkenntnis.

Angereichert ist das Buch mit diversen Fotos, Kartenmaterial und einem Adressen- / Literaturverzeichnis. Aber entscheidend ist: es liest sich wie ein tatsächliches Tagebuch, was es für mich so sympathisch machte.

Dr. Stefan Albus ist 1966 geboren, lebt in Herne und arbeitet seit 1996 als Journalist, Ghostwriter und Redenschreiber. Seine Arbeit wurde u.a. mit dem Förderpreis zum Literaturpreis Ruhrgebiet ausgezeichnet.

Santiago liegt gleich um die Ecke – Pilgern in Deutschland von Stefan Albus, erschienen in 3. Auflage 2012 im Gütersloher Verlagshaus, 239 Seiten, ISBN: 978-3-579-06738-4

Lotte

Gerade hab ich nachgeschaut: im Dezember des letzten Jahres habe ich das erste Mal von ihr hier berichtet. Und geschrieben, dass es sich so langsam einspielen würde, so dass auch mal wieder fünf Minuten Zeit übrig blieben, um etwas zu schreiben… Aha. Ich gebe es zu: neben dem, dass ich nicht den richtigen Dreh fand, war das dann wohl doch ein wenig zu optimistisch gedacht? Wenn ich an diesen Hund denke, weiss ich gar nicht, wo ich anfangen soll… Dieser Hund ist ein Kracher, der uns eigentlich immer auf Trab hält. Egal mit was…, sie zieht alles durch, gnadenlos. Und während wir dachten, dass die schlimmste Phase des Zuschnappens und der Willensbekundungen vorbei ist, fängt sie jetzt wieder von Vorne an. Apropos von Vorne: wo ist das eigentlich?

Lotte

Als wir sie übernahmen, ging Lotte mit dem Vorderbein lahm, denn als sie noch ein Welpe war, trat ihr beim Vor-Vorbesitzer (!) ein 95 kg – Mann auf den Lauf. Das hatte sie gut auskuriert und davon ist nichts geblieben. Vor ca. 7 – 8 Wochen fing sie dann an, Hinten zu lahmen. Der 1. Besuch beim Tierarzt erbrachte den Rat, abzuwarten und den Hund ruhig zu halten. Es trat keine Besserung ein. Der 2. Tierarztbesuch ergab das Gleiche. Diesen Hund ruhig zu halten ist allerdings vergleichbar mit der Aufgabe, einen Ameisenstaat daran zu hindern, seine Arbeit zu verrichten. Das Lahmen wurde immer schlimmer, der Hund immer schiefer.

Wir suchten einen anderen Tierarzt auf. Dieser stellte fest, dass das Knie derweilen leicht entzündet ist. Er wollte den Hund direkt in eine Klinik überweisen und in ein MRT stecken. Bis dato hatte ich allerdings noch nicht einmal Röntgenbilder, obwohl ich stets darum bat, da ich ausschließen wollte, dass sie irgendwelche Knochenabsplitterungen o.ä. hat. Wir wurden mit Schmerzmittel für Lotte versorgt und sollten Kontakt zur Klinik aufnehmen. Meinem Wunsch, doch bitte erstmal den Hund zu röntgen, konnte auch hier nicht nachgekommen werden. Das wäre ja viel zu spontan und röntgen ginge nur mit vorheriger Planung und nach Termin. Man muss dazu sagen, dass ich keine wertvollen HD-Aufnahmen für eine Zuchtzulassung haben wollte, dementsprechend auch nicht den Hund unter Narkose röntgen lassen wollte, zumal Lotte gut „lang zu ziehen“ ist und auch lange genug für eine Aufnahme still hält. Doch statt dieses durchzuziehen, sollten wir den Hund jetzt in eine Klinik bringen, unter Narkose setzen und mit Kontrastmittel ins MRT stecken? Hm…, hier konnten wir auch nichts mehr erreichen und wurden rauskomplimentiert. Das war´s.

Derweilen waren einige Wochen und Tierarztbesuche vergangen, ohne dass wir weitergekommen waren. Lotte hoppelte schon mehr, als dass sie lief, die Muskeln hatten sich einseitig abgebaut und sie zog das Bein mehr hoch, als dass sie es einsetzte. Die Faxen endgültig dicke, bestand ich beim nächsten Besuch unseres eigentlichen Tierarztes auf Röntgenbilder. Nachdem wir massiv wurden, bestätigte dieser nach seinem ständigen „Abwarten und Hund-ruhig-halten“, dass ich recht hätte und ein so junger Hund SO auf keinen Fall laufen dürfe und jetzt ganz schnell gehandelt werden müsse. Aha? Die Röntgenaufnahmen zeigten zwar eine nicht ganz so schöne Hüfte, war aber ansonsten ohne Befund – was gut war.

Ich suchte eine Osteophatin, was hier im Eck schon schwer genug ist. Als wir Lotte dort vorstellten, fand sie sofort drei Triggerpunkte: Knie, Meniskus und Kreuzband. Sie empfahl uns einen Spezialisten, von dem sie das gerne noch einmal abgeklärt haben wollte und so machte sie einen Termin für uns. Lotte und ich unternahmen eine wahre Serpentinen – Abenteuerreise, um schließlich in einer Freakshow zu landen!

Als Spezialist hatte er es wohl noch nicht einmal nötig, eine Gangbildanalyse zu machen. Stattdessen begrüßte er uns mit den Worten: „Ach, da kommt ja ein langwieriger Kniepatient, hinten links, richtig?!“ Nachdem er genau das tat, was auch andere Tierärzte vor ihm taten, nämlich die Gelenke abtasten und durchbewegen, reagierte Lotte beim sogenannten „Schubladentest“ sehr schmerzhaft. Er teilte mit, dass der Meniskus ok sei, das Kreuzband auch nicht gerissen, aber evtl. beschädigt. Er würde den Hund operieren wollen, um rein zu schauen und zu gucken, was da nicht stimmte und darüber hinaus müsse ich mich auf eine Folgeoperation bei ihr einstellen. Eine eigentliche Kreuzband-OP könne man nämlich bei ihr noch nicht durchführen, da sie noch zu jung und die Wachstumsfugen zu breit seien. Dass eine Kreuzband-OP anstehen würde, obwohl dieses gar nicht gerissen ist, fand ich durchaus merkwürdig. Auf meine Frage, ob er jetzt auf bloßen Verdacht hin den Hund operieren wolle, wo er doch gar nicht weiss, was eigentlich wirklich ist, meinte er, dass das notwendig sei, er würde dann die Erstversorgung vornehmen und gleich mal schauen, ob eine OCD ( = Osteochondrosis dissecans, eine Knochen- / Gelenkserkrankung beim Hund, vorwiegend bei mittelgroßen bis großen Hunden) vorliege (wovon er aber selbst nicht ausging). Das Ganze ging noch eine Weile hin und her und ich stand wie paralysiert und irgendwann einfach nur noch erschöpft vor dem Behandlungstisch, nachdem er mir noch mitteilte, dass für ihn bei diesem Hund nur eine TPLO-OP in Frage käme. Nachdem ich merkte, dass es dort kein links und rechts gab für ihn und ich meine Zweifel anbrachte, da Lotte seit zwei Tagen wieder anfing, aufzufußen und das Bein zu belasten und ich darüber hinaus nicht wüsste, wie ich diesen Hund 3 Monate ohne Folgeschaden in eine Box sperren sollte (sein Kommentar: Hund in die Box, Handtuch rüber, ins Nachbarzimmer stellen und sich nicht dran stören) und dann noch zwei Monate zur Physio bringe, um dann von Vorne anzufangen, dieses aber nicht wirklich ankam, verließ ich die Praxis. Ich fuhr nach Hause, schnappte mir auch Marie und wir gingen erstmal in den Park. Während dieses Spaziergangs entschied ich mich gegen diese beiden OPs – zumal Lotte das Bein wieder benutzte.

Ich telefonierte später noch mit der Osteopathin. Ich wollte ihr mitteilen, dass ich gegen diese OPs sei, sehrwohl aber eigentlich weiter mit ihr zusammenarbeiten wollen würde. Sie hatte durchaus Verständnis für meine Bedenken, drängte aber schon drauf, den Rat des Tierarztes zu befolgen und den Hund operieren zu lassen. Auch hier kam ich nicht wirklich weiter, irgendwann war ich einfach nur noch „durch“. Darüber hinaus nahm das irgendwie eine Eigendynamik an, die mir ganz und gar nicht gefiel. Es war zwar nett, dass sie für uns den Termin abgesprochen hatte, dass aber die Praxishelferin eigenständig bei ihr anrief, um ihr von unserem Besuch samt Ergebnis aus Sicht des Arztes zu erzählen und sie wiederum mit der Praxis den OP- und Behandlungsplan besprechen wollte, gab mir durchaus das Gefühl, dass mir meine Entscheidungen abgenommen werden sollten und andere über meinen Hund entscheiden würden?! Ich entschied mich gegen diesen Weg! Lotte läuft zwar noch immer nicht schön, aber sie fängt an, das Bein wieder einzusetzen und in den normalen Bewegungsablauf hinein zu kommen.

Je länger ich über all das nachdachte, desto schräger erschien mir diese ganze Aktion des Tierarztes. Ich werde mich hier jetzt nicht in Gedankengängen und Spekulationen verlieren, nur soviel: für mich war es die richtige Entscheidung, diesen Wahnsinn nicht weiter zu verfolgen!

Und während Lotte weiter regeneriert, setze ich mich gerade mit einer äußerst interessanten Behandlung auseinander: der V-PET Thrombozytentherapie.

Lotte

Als würde das nicht alles schon reichen, so zog sich Lotte auch noch eine Vergiftung zu. Wir waren am Abend auf Runde, Lotte hatte sich an einem menschlichen Kothaufen genüsslich getan (urgs!). Ca. 1 Std. später fing sie an zu schwanken, als wäre sie betrunken. Ich nahm sie mit in den Flur, woraufhin sie jede Berührung meinerseits mit einem Angriff ihrerseits abwehrte. Und diese meinte sie durchaus ernst, mit knurren, Nackenhaare aufstellen und in den Unterarm beissen. Ich schickte sie in den Garten, hatte gemeint, sie solle sich dort abreagieren. Lotte rannte 3 x im Kreis um mich herum wie auf Speed und wieder rein – spätestens da wusste ich, dass es ernst war, denn dieser Hund geht nicht freiwillig wieder rein um sich hinzulegen. Der ganze Hund schwankte, die Augen flimmerten, sie war nicht wirklich ansprechbar und zeigte offensichtliche Vergiftungserscheinungen. Meine Panik stieg, denn ich hatte kein Auto vor der Tür, wusste nicht, wo ich mit dem Hund hinsollte und Taxis nehmen hier keine Hunde mit – schon gar nicht solch aggressive und wir steuerten schon auf Mitternacht zu. Vor meinen Augen sah ich schon neurologische Ausfälle, epileptische Anfälle und Kreislaufversagen. Aber Lotte legte sich hin. Jedes Mal, wenn sie den Kopf hob, schien sie Karussell zu fahren. Irgendwann legte sich sich flach auf die Seite auf den Teppich und fing an zu schnarchen wie ein Berber! Sie atmete tief und ruhig, ich konnte Herzschlag und Schleimhäute kontrollieren, alles im grünen Bereich. Ca. 3 Stunden später wechselte sie das Zimmer, noch immer schwankend, aber sie legte sich sofort wieder hin. Morgens um 6 Uhr war der Spuk dann vorbei. Lotte war wieder im Vollbesitz ihrer geistigen und körperlichen Kräfte und begrüße mich gut gelaunt, als sei nichts gewesen – Glück gehabt und ein Hoch auf diesen kleinen zähen Hund!

Da ich ausschließen konnte, dass sie an diesem Tag nichts unbekanntes – mit Ausnahme des menschlichen Kots – gefressen oder gesoffen hat, gehe ich davon aus, dass in diesem Kot Toxine enthalten waren, eine ausreichende Menge Drogen, um meinen Hund in diesen Zustand zu versetzen. Was für eine Horrorshow!

Hallelulja!

[Buch] Der klare Blick

 

[Buch] Der klare Blick

Stephan Harbort hat mit Der klare Blick – Mit dem Wissen des Profilers Lügen entlarven und richtige Entscheidungen treffen – dieses Mal ein etwas anderes Buch vorgelegt. Es unterscheidet sich dahingehend, als dass der Autor und führende Serienmordexperte neben den für ihn typischen Aufarbeitungen und Falldarstellungen, den Leser in die Methodik der operativen Fallanalyse einführt. Der Leser erhält so nicht nur kleine Einblicke in die Arbeit eines Profilers, sondern bekommt darüber hinaus ein Werkzeug an die Hand, welches ihm dabei hilft, „nüchtern und abwägend die richtigen Entscheidungen zu treffen.“

Die meisten Menschen verfügen über eine sogenannte „Alltagspsychologie„. Aufgrund unserer Erfahrungen, Einstellungen, etc. hilft sie dabei, uns im Leben zurecht zu finden, auf neue Situationen einzustellen und Entscheidungen zu treffen. Entgegen der wissenschaftlichen Psychologie, werden die jeweils aufgestellten Hypothesen allerdings nicht hinreichend geprüft, vielmehr entscheiden, be- und verurteilen wir rein intuitiv. So sehr uns diese Alltagspsychologie mit ihrer innewohnenden Geschwindigkeit durchaus im Leben hilft, so schnell kann sie allerdings auch zu vorschnellen Schlüssen und Entscheidungen führen. Es macht also durchaus Sinn, an der einen oder anderen Stelle das eigene Konzept zu durchbrechen und den Blick für die Gesamtheit der Situation zu schulen. Nicht immer ist das vermeintlich Offensichtliche auch das Wesentliche…

Aufgeteilt ist dieses Buch in sechs Kapitel. Allen voran ist ein Fallbeispiel aus der Arbeit des Autors gestellt. Anhand von Alltagsbeispielen (aus Familie, Ehe und Beruf) wird sich lebhaft vorgetastet, nach und nach die eigene Wahrnehmung geschärft und die Methodik gelehrt. Entsprechende Checklisten als Handlungsanleitung runden die jeweiligen Kapitel ab und helfen bei der Orientierung.

Der klare Blick ist flüssig zu lesen und durch die vom Autor gewählte Ausdrucksform auch leicht verständlich für interessierte Leser, die zuvor wenig Berührungspunkte mit dem Thema insgesamt hatten.

Und aller Thematik zum Trotz ist das Buch durchaus auch unterhaltsam:

Es ist im vorliegenden Fall von einer durchaus imponierenden Stressresistenz auszugehen.
Dieses Verhaltensmuster erscheint insgesamt deutlich infantil eingefärbt.

 

Wahrscheinlich wirken diese Sätze nicht halb so komisch, wie ich sie empfand, wenn das entsprechende Gedankenkino nicht dabei ist… In dieser Szene ging es um eine große Sauerei, welches die beiden Kinder – oder vielleicht auch die Katze – auf dem Wohnzimmertisch hinterlassen hatten. Bei der alltäglichen Fallbearbeitung war der Profiler bei der Sequenzanalyse angekommen, um den Täter zu entlarven. Und während ich mich innerlich schäumend, mürrisch und völligst genervt der Sauerei angenommen und in der Situation globalgalactische Schimpf- und Beschuldigungstiraden losgelassen hätte, bringt es Herr Harbort mal eben trocken auf den Punkt… Ich muss immernoch lachen, zumal ich zum Zeitpunkt des Lesens selbst aufgrund meines bevorstehenden Krankenhausaufenthaltes sehr unter Druck stand, demnach hätte ich in diesem Fall auch nicht so ruhig auf Spurensuche, bzw. in die Analayse gehen können. Egal…, ich schweife ab, aber dennoch oder auch umso mehr danke ich dem Autor für diese wunderbaren Sätze samt eigenem Kopfkino!

 

Der klare Blick – Mit dem Wissen des Profilers Lügen entlarven und richtige Entscheidungen treffen – von Stephan Harbort, erschienen März 2016 im Knaur Verlag, 288 Seiten, ISBN: 978-3-426-78762-5